"Einigung ohne Gesichtsverlust"


Main-Tauber-Kreis."Fränkische Nachrichten" am 23.08.2008
Interview mit Bernd Bohnet, Mediator, von Heike v. Brandenstein.


So wie bei Tauschbörsen alte Handelsformen wieder Einzug halten, ist es auch mit dem alten Verfahren Mediation. Einst wurden Mediatoren eingesetzt, um ein Ende der Auseinandersetzungen zwischen verfeindeten Staaten oder Gruppen, wie etwa im 30-jährigen Krieg, zu bewirken. Heute vermitteln Mediatoren bei Konflikten unterschiedlichster Art.

Bernd Bohnet, studierter Jurist und jahrelang als selbständiger Anwalt mit eigener Kanzlei tätig, gab seine Anwaltszulassung 1994 wegen einer schweren Krankheit auf und widmete sich einem ganz neuen außergerichtlichen Verfahren: der Mediation.

Ein Ergebnis als gerecht zu empfinden geht nur, wenn die beteiligten Menschen auch das Verfahren als gerecht empfinden, sagt Bernd Bohnet. Und genau darauf zielt seine Arbeit ab. Der Jurist weiß, was streitende Parteien vor Gericht erwartet. Das Verfahren ist klar gegliedert, der Richter an die Vorgehensweise gebunden: Eine Klage wird durch ein Urteil entschieden, das der Richter anhand der Entscheidungskriterien Anträge, schriftlicher Vortrag, Beweis- und Gesetzeslage fällt. Die Betroffenen werden entweder durch ihren Anwalt vertreten oder treten, wenn überhaupt persönlich, nur kurz beim Verfahren auf.

Bernd Bohnet ist das zu wenig. Er möchte erreichen, dass bei einer Scheidung oder aber einer anderen Auseinandersetzung beide Parteien zufrieden auseinander gehen und für beide gangbare und miteinander ausgehandelte Vereinbarungen getroffen werden. Außerdem ist für Bohnet eines ganz wichtig. Mediation ist ein absolut freiwilliges Verfahren und hat die Aufgabe, den Handlungsspielraum wieder zu erweitern.

Bernd Bohnet zeichnet eine Treppe des Handlungsspielraums auf, deren Stufen immer schmaler werden. Stehen zu Beginn noch verschiedene Standpunkte, so dass Spannungen und Verhärtungen zwischen unterschiedlichen Parteien entstehen, die aber noch auszuräumen sind, verkürzt sich der Handlungsspielraum Stufe um Stufe. So folgen dem Versuch, den anderen zu überzeugen oder ihn unter Druck zu setzen, die Erhöhung des Drucks, über den Versuch, Verbündete für die eigene Position zu finden bis zu öffentlichen Angriffen, die zum Gesichtsverlust des Gegners führen sollen. Bei den nächsten Stufen werden offene Drohungen ausgesprochen und Ultimaten gestellt, fiese Tricks angewandt und versucht, den Gegner zu zerstören. Am Ende bleibt nur das Eine: Krieg.

Und genau den will Bernd Bohnet verhindern. Er möchte gerade in Scheidungsfällen zum Wohle der Kinder agieren. Die Kinder wollen in der Regel nur, dass die Eltern aufhören zu streiten, lautet seine Erfahrung. Deshalb versucht er in Gesprächen mit den Partnern, sorgfältige Entscheidungen zu finden, die letztlich jeder für sich als die beste ansieht und zudem mit der Entscheidung des anderen kompatibel ist.

Doch ist das teilweise ein steiniger Weg. Hier wird ganz schön gezofft, meint Bohnet. Der in Vorbachzimmern aufgewachsene Bohnet ist ein ruhiger Mann mit solider Ausbildung zum Mediator und dem festen Ziel, mit seiner praktischen Tätigkeit zur positiven Entwicklung der Gesellschaft seinen Beitrag zu leisten.

Deshalb bereitet er sich auf jede Mediation akribisch vor. Man darf nichts dem Zufall überlassen, weiß er. Es geht eben nicht darum, Macht zu haben und Partei zu ergreifen, sondern um das genaue Gegenteil: Um tragfähige Problemlösungen für die Zukunft.

Zunächst findet eine Vorklärung der Sachlage statt, bei der ein Eingangsvertrag geschlossen wird. Beide Betroffenen verpflichten sich, alle Informationen ehrlich offen zu legen. Auch ein Verhaltenskodex ist festgelegt, nach dem Beleidigungen, Beschimpfungen oder dem Anderen ins Wort fallen nicht zum Verhalten gehören dürfen, worüber der Mediator wacht. Im Anschluss werden Informationen zum strittigen Sachverhalt gegeben, Lösungsmöglichkeiten gemeinsam erarbeitet und letztlich in einem Vertrag fixiert.

Gerade beim Umgangsrecht können Lösungen gefunden werden, die ein Gericht so nicht festsetzen würde, meint Boneth. Hier hat er eine klare Linie: Kinder haben das Recht, sowohl beim Vater als auch bei der Mutter ein zu Hause zu haben. Die Eltern sind verpflichtet, ihren Kindern dieses Recht einzuräumen. Würden die Eltern diesen Fakt einsehen, finde sich immer eine Einigung, so Bohnets Erfahrung.

Froh ist er, dass Ende Juni das Gesetz zum Verfahren in Familiensachen verabschiedet wurde, das zum 1. September 2009 in Kraft treten wird. Das ist ein Meilenstein für die Mediation, stellt er freudig fest. Denn hier sei erstmals festgehalten, dass ein Gericht Ehegatten verpflichten kann, ein Informationsgespräch über die Möglichkeiten der Mediation zu besuchen. Der Chance, sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen und Lösungen zu finden, anstatt einen Rosenkrieg auszutragen, ist also eine Brücke gebaut worden. Dennoch hofft Bohnet auf mehr: In 15 europäischen Ländern ist die Mediation bereits geregelt. Und einen Vorteil hat sie zudem: Die Mediation mit ihren durchschnittlich acht Sitzungen zu jeweils rund 100 Euro ist wesentlich günstiger als ein gerichtliches Verfahren.



Informationen erteilt Bernd Bohnet auch unter 09341/8953547 oder E-Mail: bohnet.mediation@gmail.com

Quelle: fnweb.de - 23. August 2008 - Von Heike v. Brandenstein - Link zum Pressebericht


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