"Es muss eine neue Streitkultur geben"


Main-Tauber-Kreis."Fränkische Nachrichten" am 13.08.2011
Interview mit Klaus Kern, Familienrichter in Tauberbischofsheim und
Bernd Bohnet, Mediator, Dittwar
von Heike von Brandenstein.

"MAIN-TAUBER Kreis.

Gebrülle, Streitereien, Vorwürfe: Rosenkriege sind bei Scheidungen keine Seltenheit. Oft hat jeder nur noch seine Sicht der Dinge, hetzt über den anderen, sucht die Schuld immer nur beim Noch- oder eben schon Ex-Partner. Gründe für solch ein Verhalten gibt es viel: Enttäuschung über das Scheitern einer Beziehung, Kränkungen, Wut oder Machtgebaren. Wenn Kinder da sind, sind sie in der Regel die Hauptleidtragenden solcher Auseinandersetzungen.

Kommt es zur Scheidung, dann immer auch zu einem gerichtlichen Verfahren. Sorgerecht und Aufenthaltsbestimmung für die Kinder werden dort ebenso festgelegt wie der Versorgungsausgleich. "Familiengerichte sind eher konsensorientiert" sagt Klaus Kern, Familienrichter am Amtsgericht Tauberbischofsheim. Er hat mehr als genug Arbeit und sieht sich in seiner Funktion als Richter jeden Tag auch in der Rolle des Streitschlichters. Aus seiner Erfahrung weiß er, dass alles sinnvoll ist, was auf Streitschlichtung hinausläuft. Und dazu gehört für ihn auch die Mediation.

"Wenn Sprachlosigkeit da ist, wenn Leute nicht mehr miteinander reden können, dann muss jemand anderes ran, der die Blockaden löst", meint Kern. Eine Möglichkeit bieten da Beratungsstellen, deren Aufsuchen ein Richter anordnen kann, eine andere Mediatoren. Zur letzten Gruppe gehört Bernd Bohnet.

Der studierte Jurist und erfahrene Anwalt beschäftigt sich schon lange intensiv mit der international längst üblichen und sehr viel weiter entwickelten Methode der Streitschlichtung als in Deutschland. Doch auch hier hat das außergerichtliche Verfahren zur Konfliktlösung, angestoßen durch eine EU-Richtlinie im Jahr 2008, Fortschritte gemacht.

"Wenn Sprachlosigkeit
herrscht, müssen andere ran,
die die Blockaden lösen"

Klaus Kern, Familienrichter

So steht ein "Gesetz zur Förderung der Mediation und anderer Verfahren der außergerichtlichen Konfliktbeilegung" kurz vor der Verabschiedung.Danach soll das Mediationsverfahren zwar nicht angeordnet, wohl aber vom Gericht vorgeschlagen werden können. Ein kostenfreies Informationsgespräch beim neutralen Mediator kann jedoch verpflichtend sein.

Etwas schwammig geregelt sind Aus- und Fortbildung von Mediatoren. Im Gesetzentwurf ist nämlich nur festgeschrieben, dass "der Mediator in eigener Verantwortung durch eine geeignete Ausbildung und eine regelmäßige Fortbildung sicherstellt, dass er über theoretische Kenntnisse sowie praktische Erfahrungen verfügt, um die Parteien in sachkundiger Weise durch die Mediation führen zu können."

Dass es keine staatlich anerkannte Norm für die Ausbildung zum Mediator gibt, beklagen auch Bernd Bohnet und Familienrichter Klaus Kern. Letzterer ist zumindest froh, dass er mit Bernd Bohnet einen erfahrenen Juristen und engagierten Mediator in Familiensachen als Ansprechpartner hat. Doch seiner Ansicht nach gibt es zu wenige Menschen, die diese Möglichkeit anbieten.br>
Herzstück jeder Mediation sind die absolute Verschwiegenheit und Neutralität des Mediators sowie die Verabredung fester Verfahrens- und Verhaltensregeln. So sind gegenseitige Beschimpfungen nicht erlaubt. Zunächst werden das Anliegen vorgestellt und mögliche Lösungsmöglichkeiten erarbeitet, ohne deren tatsächliche Verwirklichung zu berücksichtigen.

Im nächsten Schritt gilt es, diese zu bewerten, um einen Konsens bei Abgleichung der unterschiedlichen Interessenlagen herzustellen. Erst dann werden die realistische Umsetzung und die Auswirkungen auf die Zukunft in den Blick genommen. Abschließend kommt es zu einem Memorandum und einem Vertragsentwurf, den die Parteien vor der Unterschrift unabhängig voneinander prüfen lassen können. Der Abschluss bei einem Mediator entspricht einem gerichtlichen Vergleich.

Für Klaus Kern bietet die Mediation eine gute Chance, um Konflikte außergerichtlich zu lösen. "Mediation und Gerichtsverfahren sind kein Gegeneinander, sondern ein Miteinander", meint er. Zudem sei die außergerichtliche Einigung günstiger. Die Kosten pro Mediationstermin liegen zwischen 150 und 300 Euro. "In der Regel", so Bernd Bohnet, "sind vier bis fünf Treffen notwendig." Und er weist darauf hin, dass bei der Mediation jeder zur Lösung eines Konflikts beiträgt und so eine Entscheidung im Konsens und eben nicht vom Richter erfolgt.

Mehr als zwei bis drei Sitzungen pro Woche mutet er sich allerdings nicht zu. Bernd Bohnet: "Wer mehr macht, reibt sich auf und strandet letztendlich."



Informationen erteilt Bernd Bohnet auch unter 09341/8953547 oder E-Mail: bohnet.mediation@gmail.com



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