9) I) Förderung der Familienmediation in Österreich
In Österreich ist das Ministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend besonders aktiv - auch finanziell.

Fortgesetzt am 09.12.2015

In Österreich hat die Förderung der außergerichtlichen Mediation eine ganz besondere Stellung, auch finanziell. Das ganze Hilfesystem für Familien in Trennung und Scheidung ist sorgfältig abgestimmt und zur Mediation wird systematisch erst vorprozessual hingeführt und dann durch finanzielle Förderung auch für die Mediatorenschaft attraktiv gemacht. Dadurch wird ein starker Anreiz geboten, dass die Mediation rechtzeitig und damit effektiv zur Wirkung kommt. Auch ansonsten werden ganz erheblich andere Prioritäten und Anforderungen als in Deutschland gesetzt, worauf ich noch näher eingehen werde.

Zunächst empfehle ich auf die Seite der Homepage des Österreichischen Wirtschafts- und Familienministeriums zu gehen  (hier klicken), wo einige Vorinformationen gegeben werden und sich dann unten eine Broschüre: „Trennen? Aber richtig! 3 AusWege“ (sie unterscheiden sich nur hinsichtlich der verschiedenen Regionen und den dort für die Beratungen/Mediationen zuständigen Teams) herunter zu laden – PDF-Datei – und auf Ihrem Computer zu speichern. Dies ganz besonders allen MitarbeiterInnen von „Institutionen“ – im weitesten Sinne -, die sich berufsmäßig mit Problemen und deren Folgen aus dem Familienbereich befassen. Es sei darauf hingewiesen, dass die erste Ausgabe dieser Broschüre bereits im Jahr 2010 aufgelegt wurde!

Deckblatt 3 Schritte geschn.Vorwort Minister ausgeschn.

Die Ministerien haben dafür gesorgt, dass diese Broschüre in Österreich weithin bekannt ist. Diese beginnt mit Satz: „NICHT DER KONFLIKT SELBST IST DAS PROBLEM, SONDERN DIE ART UND WEISE DAMIT UMZUGEHEN“ und erklärt die Wege in drei Schritten:

„1. Ausweg: Familienberatung bei Gericht  (Hervorhebungen durch den Autor)

In der vom Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend (BMWFJ) geförderten Familien und Scheidungsberatung erhalten Sie:

  • Rechtsinformationen in Ehe-, Trennungs- und
    Scheidungsangelegenheiten
  •  psychologische Unterstützung
  •  Auskunft über Mediation

Aus der Broschüre

Öst. Beratung bei GerichtAls  „Beratungsstellen“ werden die Adressen  der Gerichte angegeben, sowie die Öffnungszeiten und tel. Erreichbarkeit.

„So erhalten Sie eine auf Ihre konkrete Problemlage zugeschnittene Information und Beratung zu Fragen wie:
□ Was muss ich bei einer Trennung/Scheidung alles bedenken?
□ Wie finde ich für die anstehenden Herausforderungen und Probleme eine Lösung?
□ Wie schaffe ich – bzw. wie schaffen wir – die Veränderung im Alltag und einen Neubeginn?
□ Wie kann die Elternbeziehung zu unseren Kindern erhalten bleiben?“

2. Ausweg: MEDIATION: EIN FAIRER WEG ZUR LÖSUNG ANGEHÄUFTER PROBLEME“

Nach weiteren Ausführungen:

„Mediation ist professionelle Hilfe zur Selbsthilfe. Mit Unterstützung eines Mediatoren-Teams – bestehend aus einem Juristen und einer psychosozialen Mediatorin (oder umgekehrt einer Juristin und einem psychosozialen Mediator) – haben Sie es gemeinsam mit Ihrem Partner/Ihrer Partnerin selbst in der Hand, offene Fragen zu klären und neue gemeinsame, zukunftsorientierte Lösungen auf eine einvernehmliche Weise zu erarbeiten:
 Unterhalt/Alimente
 Aufteilung des Vermögens
 Aufteilung von Schulden
 Regelung der Obsorge und
 Regelung des Besuchsrechts, die gut für die Kinder ist.

Sie ziehen Fairness und Offenheit einem Rosenkrieg vor? Dann kontaktieren Sie doch ein Mediatoren/innen-Team Ihrer Wahl!“

Hier ist anzumerken, dass an die Ausbildung der MediatorInnen im Gegensatz zu allen anderen Mediationsarten bezüglich Familienmediationen sehr hohe Anforderungen gestellt werden.

Dafür bezuschusst das Familienministerium die Mediationen mit bis zu € 220,- pro Stunde und Team. Der Zuschuss ist nach Einkommen und Kinderzahl der Eltern gestaffelt (Seite 10).

Da es mir hier zunächst nur um die Mediation geht und (noch) nicht das ganze Hilfesystem einbezogen werden soll, lasse ich es dabei bewenden. Festzuhalten ist, dass die Mediation zunächst die Möglichkeit der ersten Wahl sein soll.

In kurzer Vorausschau bezüglich geförderter Besuchsbegleitung (bei uns Umgangsbegleitung) im Rahmen des ganzen Hilfesystems sei hier nur eine Hervorhebung eingefügt, wobei ich die Info am Schluss besonders interessant finde.

Öst. geförderte BesuchsbegleitungEines möchte ich hier mit Nachdruck festhalten. In Österreich kümmert sich das Familienministerium um die praktische Verwirklichung der Mediation, was ich hier in Deutschland noch nicht einmal ansatzweise, auf keiner öffentlichrechtlichen Ebene und bei keiner Institution, die sich das Wohl der Familien und Kinder auf die Fahnen geschrieben hat, feststellen konnte.

Zudem möchte ich festhalten, dass es nach einer gelungenen Mediation sehr unwahrscheinlich ist, dass es danach noch streitige Umgangsschwierigkeiten gibt, da auch diese mit geregelt werden.

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