1) Mediation und Prozess im Vergleich und als Verfahren für Problemlösungen
Die Mediation als Alternative zum Prozess, insbesondere in Familiensachen

Die Einführung der Mediation in unser Rechtssystem ist ähnlich sinnvoll, wie die  des Sicherheitsgurts für Autofahrer in den 70 er Jahren: Vermeidung unnötiger, insbesondere schwerer, Schäden.

Bitte nehmen Sie sich etwas Zeit, auch für die Kommentare (Berichte von Betroffenen) zum Schluss. Zu diesem Teil kommen Sie auch hier direkt, oder, wenn Sie den Link in der Seitenleiste rechts  unter „Aktuell“ anklicken. Der Kostenvergleich bleibt am Ende dieses Artikels.

Für viele Paare und Familien in schwierigen Situationen  wird es sich lohnen. Die Mediation hat sich auch in verschiedenen anderen Streitbereichen bewährt. Sie ist ein besonderes Verfahren zur Lösungsfindung bei Problemen, Auseinandersetzungen und Streit.

Ich habe versucht, die Darstellung so knapp wie möglich, aber auch so verständlich wie nötig zu halten. Mit Schlagworten oder dem Gesetzestext – hier zu lesen – wird sich wohl niemand die Praxis vorstellen können. Darauf aber kommt es mir an! Eine zusammengefasste Beschreibung mit kurzen, aber wichtigen weiteren Informationen gibt es auf meinem Faltblatt, das hier aufgerufen, heruntergeladen und ausgedruckt (nach unten scrollen) werden kann.

Eine Darstellung der PRAXIS, wie hier, werden Sie im deutschen Internet nur schwerlich finden, schon gar nicht in der mir eigenen Art und Weise. 😉

Streitige Alltagssituation, werden besonders in der Filmkunst zur besonderen Belustigung des Publikums verwendet. Hier ein Beispiel für einen Streit. Rational, emotional plusDas Loch im Decksche Schuld.

Bei der Fa. Hesselbach ging es darum, wer das Loch in das „Decksche“ (für 2,95 DM im Ausverkauf) gebrannt hat.

Hier klicken und es geht los.

arbeitDie ersten zehn Leser, die mir mitteilen, wer der/die „Schuldigen“ waren (es gibt in der Tat 2 – eine/r genügt), erhalten von mir ein handsigniertes Fleißkärtchen (nebenstehend). Auf Wunsch auch Bild und Text extra.

Wer mir dann noch mitteilt, was das eigentlich mediative an dem „Arbeitsbild“ ist, bekommt einen prächtigen Mediatorenschein. Ich möchte sogar behaupten, einen prachtvollen. 😉


Waren Sie schon einmal in einer Familiensache im Zuge einer Trennung/Scheidung wirklich selbst Betroffener oder gar Prozessbeteiligte/r? Nein? Sie haben sich gütlich und ohne institutionelle Hilfe in Güte getrennt? Dann können Sie sich glücklich schätzen. Wenn auch die Trennung mit all ihren materiellen und emotionalen Schwierigkeiten, Schmerzen und umwälzenden Folgen einher ging, es Ihnen gelungen ist, selbst zu einem vernünftigen Ergebnis zu kommen. Wenn Sie das alleine geschafft haben – meine größte Hochachtung. Die Zeit und weitere Entwicklungen werden die Leiden allmählich verblassen lassen.

Was aber, wenn man über nichts mehr sprechen und sich schon gar nicht einigen kann? Die Zukunft ist von einem Gebirge verdeckt. „Gespräche“ bestehen mit abnehmenden Kräften und zunehmenden Ängsten dann oft nur noch aus wütenden Vorwürfen.

Da ist es verständlich, wenn man „die Sache“ von anderen, nämlich Rechtsanwälten und Gerichten, regeln lassen möchte.

Spätestens jetzt bedarf es einer Entscheidung

Auch sollte man sich hier schon die Kostenfrage (s. dritten Kommentar) stellen. Darauf gehe  ich am Schluss sehr konkret ein.

Mediation oder Rechtsweg

Grafik 1Vergleich Ablauf Prozess - Mediation

Das Mediationsverfahren gehört nicht zum psychologischen Heil- oder Beratungsbereich, sondern zum Bereich des Konfliktmanagenents und des Rechts. Ich sehe gerade die Familienmediation als Krönung meines juristischen Wirkens und dessen eigentlichen Sinn an.

Hier die Schilderung eines „typischen“ realen Falls: Hier klicken. (Bei  jedem Fall anders, ist dies bei mir praktisch Routine und manche Notare haben  noch mehr gestaunt 😉 ).

Der durchaus komplizierten Stellung der Mediation in unserem Rechtssystem werde ich mich in einem gesonderten Artikel widmen. Wegen der großen Bandbreite seiner Möglichkeiten, kann sie allerdings praktisch in allen Lebensbereichen angewandt werden.

Die oben geschilderte Eingangssituation vor der „Entscheidung“ ist nur eine von vielen Varianten, mit denen ein Mediator zu tun hat. Davon gibt es so viele, wie es Paare gibt. Häufig ist die Situation gegeben, dass

1) eine Trennung noch nicht sicher ist, aber es „so nicht weiter“   gehen kann – oder (Die Mediation hat nicht nur Offenheit zur Voraussetzung, sondern ist grundsätzlich auch Ergebnis offen).

2) „wir wollen/müssen uns trennen, wollen aber erst einmal alles regeln“ – oder

3) die Paare recht gut miteinander umgehen können, außer es geht um  bestimmte Themen. (Danach: „Ich kann mich ….. nur bedanken, denn ohne diese Mediation wären wir definitiv nicht da wo wir heute sind. Für mich war besonders wichtig, den „Berg: Trennung/Scheidung“ in kleinere Etappen zu unterteilen und in jeder Etappe die Sachlage mit entsprechendem Hintergrundwissen zu begleiten. Das hat mir sehr geholfen.“ ) –  oder

4) es kommt zu emotionalen Ausbrüchen aus verschiedenen Gründen und Zielen, ohne dass irgendeine realistische Zukunftsvorstellung besteht. – oder

5) …….

Erfreulicher Weise sind auch Paare gekommen, die sich völlig einig waren und genau wussten, was sie wie regeln wollten. Wenn ich feststelle, dass für die Durchführung eine notarielle Beurkundung notwendig ist, empfehle ich, zum Notar zu gehen. Das geschieht dann schon in der ersten, kostenlosen, Vorbesprechung.

Andernfalls wird (nach Vertragsschluss, ohne den geht es trotzdem nicht, denn er muss ja schon finanziell der einfacheren Situation angepasst werden) ein Termin vereinbart, in dem die Regelungen in eine juristisch klare Form gebracht werden.

Selbstverständlich steht es jedem frei, die Mediation jeder Zeit auch zu beenden. Schließlich ist sie ja grundsätzlich freiwillig.

Bei 100 Paaren, gibt es 100 verschiedene Ausgangssituationen. Und in jedem Fall ist die Mediation ein eigenes, individuelles Projekt.

Allerdings haben diese Ausgangssituationen, so wie sie sich anfangs bei mir darstellen, natürlich eine Vorgeschichte. Die wissenschaftliche Konfliktforschung, die ihren Ursprung übrigens in der Ökonomie hatte, wurde dann auch besonders von einem Wirtschaftswissenschaftler, nämlich Friedrich Glasl, geprägt. Seine Eskalationstreppe zur Beschreibung und Veranschaulichung einer eskalierenden Auseinandersetzung (ursprünglich zwischen Staaten) ist heute wissenschaftlich anerkannter Standard. In der nachfolgenden Grafik habe ich versucht, die Eskalation etwas anschaulicher darzustellen, um gleichzeitig zeigen zu können, dass, je weiter die Eskalation fortgeschritten ist, der Handlungsspielraum für eine Deeskalation immer kleiner wird. Wer sich näher damit beschäftigen möchte, der schaue hier (Treppen – zu meiner Freude und Überraschung fand ich dort auch meine hier eingestellte. 🙂 ) und hier (Friedrich Glasl).

Grafik 2

Vergleich Ablauf Prozess - Mediation

Für mich als Mediator ist es wichtig zu wissen, in welchen Bereichen und dort auf welcher Stufe die Eskalation fortgeschritten ist, denn danach richtet sich meine Vorgehensweise, gerade am Anfang einer Mediation.

Nun zurück zur Gegenüberstellung Gerichtsverfahren – Mediation. Die nachfolgende Grafik zeigt den wichtigsten Unterschied.

Grafik 3

Vergleich Ablauf Prozess - Mediation

 Den Vorgang, den die blauen Pfeile nach unten beschreiben, ist mit dem landläufigen Wort „Deeskalation“ nicht ganz richtig beschrieben. Deeskalation bedeutet im eigentlichen Sinne das „Verhindern von Konflikten und sich aufschaukelnder Prozesse …“ (Wiki). Natürlich beinhaltet die Mediation auch diese Probleme an erster Stelle.

Weitaus schwieriger ist allerdings das Ziel (Lösungsfindung – blauer Kasten unten), möglichst unterhalb der ersten Eskalationsstufe zu erreichen. Dies „ist die schwierigste Aufgabe im Konfliktmanagement.“ (Wiki) – und damit besonders in der Familienmediation!

Auf der Grafik ist leicht zu erkennen, dass ein Gerichtsverfahren (rote Pfeile) nicht in der Lage ist, wirkliche Lösungen herbeizuführen und auch die Eskalation nicht verhindern kann. Das Gegenteil ist in der Praxis der Fall. Das ist auch nicht die Aufgabe der Rechtsprechung, was selbst im Volksmund allseits bekannt ist: „Bei Gericht bekommen Sie (nur) ein Urteil“.

Weiter mit der Praxis

Oft ruft mich ein Ehepartner und erzählte, dass sie/er gerne die Mediation machen würde, die andere Seite aber nicht mitkommen wolle. Häufigster Grund ist, dass der/die Partner/in es als sinnlos erachtet, weil „schon alles gesagt“ sei und sie/er außerdem mit dem Partner nicht mehr reden könne und/oder nicht mehr wolle. Ich werde dann gebeten, mich mit der anderen Seite in Verbindung zu setzen würde, um diese umzustimmen.

Als Mediator stehe ich jeder Seite neutral und mit Abstand gegenüber, egal, wer sich an mich wendet. Würde ich versuchen, jemanden zu überreden, kann mir das schon als parteiische Handlung ausgelegt werden. Ich rede nicht nur von Neutralität, ich praktiziere sie! Jeder, ob allein oder mit dem Partner zusammen, kann zum kostenlosen Informationsgespräch kommen. Und wenn jemand kommt, der/die überhaupt nicht vor hat, sich auf eine Mediation einzulassen, sondern nur neugierig ist, habe ich nichts dagegen. Ich werde sie/ihn mit mir und der geballten Kraft der Erzeugnisse meiner Kaffeemaschine sowie diverser Besonderheiten für Augen und Gaumen konfrontieren, so dass das „kostenlos“ wenigstens nicht umsonst ist. 🙂

In hoch eskalierten Fällen können die Partner oftmals tatsächlich nicht mehr vernünftig miteinander reden. Dazu werden sie bei mir auch nicht gezwungen. Im Gegenteil. In solchen Situationen dürfen sich die Paare noch nicht einmal anschauen, geschweige denn, miteinander reden. Gestritten haben sie genug. Ansprechpartner ist nur der Mediator und damit wird eine Entwicklung in die Wege geleitet, die in 98% aller Fälle zwanglos dazu führt, dass die Partner nach und nach und in vorsichtigen und sicheren Schritten, zunächst über scheinbar unwesentliche Themen,  wieder miteinander reden können. Für jemand, der/die selbst betroffen ist – unvorstellbar. Für einen erfahrenen Mediator eine Selbst- verständlichkeit. Der Weg (oftmals werden erst einmal Zwischen- vereinbarungen geschlossen) führt dann weiter zu Lösungen/ Vereinbarungen/Ergebnissen, die in den allermeisten Fällen weder von den Paaren und auch nicht vom Mediator erwartet oder für möglich gehalten wurden. Nach der Abschlussvereinbarung organisiere ich den notariellen Vertragsentwurf (wenn nötig) und begleite in vielen Fällen  die Paare (auf Wunsch) auch zum Notar. Spätestens dann verbreiten/entwickeln sich Erleichterung, Zuversicht und Gelassenheit.

Schon im Laufe der Mediation können sich psychosomatische Beschwerden auflösen. Besonders Ärzte sollten im Auge haben, dass viele Symptome auf einen Beziehungskonflikt zurückzuführen sind. Die Mediation ist zwar keine Therapie, doch kann sie einen erheblichen therapeutischen Effekt bewirken. Wenn die Paare gerade hinsichtlich ihrer Probleme im sachlichen Bereich, wieder festen Boden unter den Füßen bekommen, entfallen viele Belastungen.

Wenn die Mediation z.B. über Zwischenvereinbarungen etwas fortgeschritten ist, kommt es öfters vor, dass die Paare den Rest des Weges alleine schaffen.

Was vielleicht verblüffen mag und worauf ich an anderer Stelle noch eingehen werde, entsprechen die Vereinbarungen praktisch immer auch der Rechtslage, mit der Maßgabe, dass diese auf den individuellen Fall nach den gegebenen Möglichkeiten angewandt wird.

Wenn ich oben von „Ergebnissen“ geschrieben habe, meine ich damit, dass es im Rahmen des Konfliktmanagements, z.B. Konflikt(er)klärung, nicht selten vorkommt, dass von einer Trennung Abstand genommen wird, bzw. eine  (z.T. ganz) neue Paarbasis gefunden wurde („… vielen Dank, … dass wir wieder eine Familie sind.“.).

Gerichts- und Mediationsverfahren im Vergleich

Prinzipielle Unterschiede

Vorab sei hier angemerkt, dass das vollständige Mediationsverfahren, besonders in Familiensachen, nur von Personen durchgeführt werden kann, die sowohl ausreichende Kompetenzen hinsichtlich des Konfliktmanagements, bzw. der Konfliktklärung, als auch auf dem Gebiet des Rechts besitzen. Eine Ausbildung zum praktischen Familienmediator macht daher nur dann wirklich Sinn, wenn vorab ein Grundberuf als Dipl.- Psychologe/Psychologin (oder sehr nahestehender wissenschaftlicher Ausbildungen) oder als Volljurist (Befähigung zum Richteramt) gegeben ist. Zudem müssen erhebliche Erfahrungen in Familiensachen vorliegen. Erst wenn sich die jeweiligen Grundkompetenzen durch die Ausbildung ergänzt haben, ist es möglich, z.B. eine transformative Mediation auch bis zu einem juristischen Abschluss zu führen.

Erst dann wird man auch in der Lage sein, Gerichts- und Mediationsverfahren sowohl hinsichtlich  der psychologischen, als auch der juristischen Seite zu vergleichen.

Zunächst hier noch einmal die Grundstruktur des Gerichtsverfahrens.

Grafik 4

 Subsumtion  (Unterodnung) beschreibt den Vorgang, den jeder praktische Jurist in Ausübung seiner Aufgabe durchzuführen hat. Er überprüft, ob ein ihm vorliegender Lebenssachverhalt von einer Gesetzesnorm oder sonstige Vorschriften erfasst wird und handelt, wenn dies der Fall ist, entsprechend der Norm, die die Folgen vorschreibt. So kommt ein Richter zu dem Ergebnis, das ihm das Gesetz vorschreibt. So weit scheint alles recht einfach zu sein.

Oh, hatte ich gerade „recht einfach“ geschrieben? 😉

Das ist es aber nur dann, wenn man nicht näher hinschaut bzw. hinschauen kann, weil man dazu nicht genügend Erfahrung hat. In Wirklichkeit sieht es anders aus. Hier einmal ein einfaches Schema (die ersten beiden Schritte) einer Auseinandersetzung zwischen einem (noch?) Ehepaar.

Eines kann ich schon vorweg versichern. Eine streitige Scheidung ist für Jeden, den/die sie selbst betrifft, äußerst belastend. Selbst Profis wie Richter, Rechtsanwälte und sonstige, mit Scheidungssachen befasste Personen, schlägt (wenn es um die eigene Sache geht) bei jedem Brief, den sie vom Gericht oder einem Rechtsanwalt (selbst wenn es nur ein Durchschlag eines Schreibens des eigenen Rechtsanwalts an die Gegenseite ist), das Herz bis zum Hals, denn, der Unterschied zu ihrer sonstigen Tätigkeit ist vergleichbar mit der Situation, wenn er/sie einen schweren Unfall im Fernsehen vorgeführt bekommen oder selbst einen beobachten müssen, zu der Situation, wenn sie es selbst sind, die nach einem schweren Unfall und stundenlangem Einsatz schweren Geräts befreit werden müssen. Nur die, die direkt verletzt und betroffen sind, wissen, was ein Unfall wirklich bedeutet. Zwischen den beiden Situationen liegen Welten. Erst recht Laien werden hier auch nichts „cool“ abhaken.

Schon aus diesem Grund gilt bei obigen Professionen der Grundsatz, dass man sich nicht selbst vertritt.

Grafik 5

Habe ich Sie jetzt erschreckt? 🙂 Keine Sorge, ich werde alles Schritt für Schritt erklären.

Ein Paar hat ein „Beziehungsproblem“ (so die Fachsprache), und streitet sich ständig. Manche schweigen sich auch nur noch an, mitunter jahrelang. Das Thema soll hier keine Rolle spielen. Es geht hier nämlich nur um die Art und Weise, also das Verfahren, wie das Problem durch das Gericht gelöst wird. Dabei ist wichtig zu wissen, dass Paarstreitigkeiten sich aus (mindestens) zwei Anteile zusammen setzen. Einmal einen rationalen und zum anderen einen emotionalen Teil. Hier sei ein Paar dargestellt, bei dem es zum Rechtsstreit gekommen ist.

Da es sich um eine Familiensache handelt, sind sie gezwungen, Anwälte in Anspruch zu nehmen. Angenommen, das Paar hat bis dahin die Eskalationsstufe 3 (z.B. Gespräch abgebrochen) erreicht.

Eine der beiden Seiten, später auch die andere, trägt sein Anliegen seinem Rechtsanwalt vor (bitte sehen Sie es mir nach, dass ich normalerweise durchweg die männliche Form der Protagonisten benutze. Sie ist kürzer und meint die weibliche Form, je nach realer Situation, auch immer  mit).

Jede Seite wird nun seinem Anwalt seine Version des Sachverhalts (grün-rote Pfeile Grafik oben) mitteilen. Die grüne Farbe drückt in der Grafik nicht nur aus, dass sie den Sachverhalt enthält, sondern auch die Behauptung, dass der/die Betroffene Recht geltend macht. Der rote Anteil stellt die Emotionen dar (z.B., dass sich der/die Betroffene ärgert oder betrogen fühlt). Gleichzeitig enthält diese Mitteilung aber auch, dass sich die andere Seite im Unrecht befindet – deutet also (Grafik 5 –  rechts im schwarzen Kreis – getüpfelter Pfeil zur anderen Seite )  auf den Partner (noch Eskalationsstufe 3).

Nunmehr ist der Rechtsanwalt an der Reihe. Er muss einen Schriftsatz machen (in Deutschland gilt im Prozess das Prinzip der Schriftlichkeit). Bevor er das macht, muss er subsumieren (s. oben nach Grafik 4), denn er darf nur das vortragen, was im Ergebnis dazu führt, dass sein Vorbringen von einer Rechtsnorm erfasst wird. Mindestens in zweierlei Hinsicht, ist dies ein Drahtseilakt.

Da sich Paarkonflikte praktisch immer auf der emotionalen Ebene abspielen und die Unfähigkeit der Paare, sich auf der Sachebene zu einigen, nur Symptome des eigentlichen Konflikthintergrunds sind, wird ein rein rational sachlicher Schriftsatz von den Auftraggebern meistens als „seine Sache nicht richtig vertreten“ angesehen. Obwohl eigentlich jeder weiß, dass Emotionen nicht justitiabel sind, kann ein Betroffener das nur schlecht oder gar nicht akzeptieren.

Deshalb ist es der Normalfall, dass ein Rechtsanwalt in dieser Hinsicht durchaus einmal mehr vorträgt, als er unbedingt muss. Daher der rote Teil im grau schraffierten Schriftsatz in der Grafik.

Anschließend nimmt der Richter die Sache zunächst nur zur Kenntnis (oder auch nicht 🙂 ) und läßt den Schriftsatz an die Gegenseite (Rechtsanwalt) weiter leiten. Dieser dann an die Mandanten. Bei diesem geschehen nun zweierlei Dinge.

Einmal fühlt er sich auf der Konfliktebene angegriffen, und reagiert auf der Paarebene (schwarzer Kreis rechts) mit einer höheren Eskalationsstufe. Je mehr Schriftsätze gewechselt werden, desto höher eskaliert der Konflikt zwischen dem Paar.

An dieser Stelle möchte ich einen Merkspruch anbringen, den ich noch nie widerlegt gefunden habe.

Ein Streit auf der emotionalen Ebene (in der Fachsprache also ein Konflikt) kann nicht schriftlich bereinigt werden.

Hinzu kommt nun noch, dass es für einen Rechtsanwalt enorm schwierig sein kann, auch nur den rationalen, sachlichen Sachverhalt aufzuklären. Mandanten können diesen ja nur durch ihre emotionale Brille sehen. Zumindest Unvollständigkeit ist an der Tagesordnung. Dies hat dann zur Folge, dass der Empfänger, mit seiner emotionalen Brille zu Schlüssen kommt, die er auf der sachlichen Ebene als Lüge interpretiert.

So schaukeln sich die Emotionen (rein systembedingt und ohne jemandem einen Vorwurf zu machen) hoch. Eine vernünftige Kommunikation zwischen den Paaren ist schon nach kurzer Zeit nicht mehr möglich.

Sind Sie der Meinung, dass ich übertreibe? Wenn ja, dann bitte ich Sie trotzdem, es nicht ohne wirkliche Not auszuprobieren. In Wirklichkeit ist es nämlich noch viel schlimmer.

Beim nunmehr folgenden Abschnitt des Gerichtsverfahrens gibt es grob gesagt zwei Möglichkeiten. Entweder es kommt in der Güteverhandlung zu einem Vergleich, bei dem beide Seiten mit den Zähnen knirschen (und Ihnen Ihr Rechtsanwalt danach mühsam und ohne zusätzliche Bezahlung klar macht, warum der Vergleich doch die beste „Lösung“ gewesen sei). Derartige Diskussionsgrüppchen sind im Gerichtsalltag allenthalben auf den Fluren zu beobachten.

Oder aber, es ergeht ein Urteil. Dafür gilt folgendes:

Grafik 6

Im Rahmen einer Auswertung der Zahlen des statistischen Bundesamts über die Ergebnisse von Familiensachen habe ich mir (2009) einmal den „Spaß“ gemacht, nachzurechnen, wie hoch die statistische Wahrscheinlichkeit ist, dass diejenigen, die sich voll im Recht meinten, dieses auch ohne Abstriche zugesprochen bekamen.  Es waren 18 % !

Nun noch die Entscheidungskriterien für Urteil und Abschlussvereinbarung im Vergleich:

Grafik 6 a)

vergleich3

Das Mediationsverfahren mit vergleichenden Anmerkungen zum Prozess

Zunächst sei hier nochmals die Grafik 1 eingefügt

Grafik 7
Vergleich Ablauf Prozess - Mediation

Von den 4 Schritten der beiden Verfahren, wird nur die „Information“ als gleicher Schritt dargestellt. Deshalb beginne ich gerade mit diesem Teil, denn er unterscheidet sich im Mediationsverfahren in ganz entscheidender Weise,  noch gravierender, als die anderen Teile.

Vergleicht man die Grafik 5 mit der nunmehr eingefügten nächsten Grafik 8, so wird der Unterschied offensichtlich.

Grafik 8,

Dem Betrachter wird alle möglichen Unterschiede auffallen. Auch die kleine Abweichung, dass hier kein Pfeil die Farbe grün enthält? Diese Kleinigkeit  ist aber von ganz entscheidender Bedeutung!

Zunächst hier der Ablauf einer Mediation. (Wer möchte, kann sich die Grafik auch herunter laden – Rechtsklick -. Grundsätzlich habe ich nichts dagegen. Bei weiterer Verwendung oder Verbreitung bitte ich aber darum, mich als Quelle anzugeben. Die Grafik weicht von dem derzeit gelehrten Ablauf ab, da ich meine Praxiserfahrung eingearbeitet habe.)

Grafik 9
Beim Vergleich mit dem Gerichtsverfahren bezüglich der Informationsabteilung, der ja zunächst den Eindruck erweckt, als würden zur Mediation keine Unterschiede bestehen („Information“ – Grafik 1 und 7) , fällt wohl nunmehr auf, dass gerade dort ganz erhebliche Unterschiede bestehen.  (Die Zahlen in nebenstehender Grafik 9  werden auch Phasen genannt).

Gemein haben aber bezüglich des ganzen Verfahrens sowohl  die Vorgehensweisen im Prozess, als auch in der Mediation, dass eine streng systematische Ablaufordnung  herrscht. Ein Richter kann kein Urteil erlassen, wenn der Sachverhalt nicht fest steht, denn schließlich muss er, nachdem er das Ergebnis (Urteil) verkündet hat, den „festgestellten Sachverhalt“ in seiner schriftlichen Begründung festhalten. Erst dann kann er die Subsumtion mit Angabe der §§ xxx darlegen.

Es gibt also keine Abkürzung im Ablauf. Im Gerichtsverfahren sorgt dafür der Richter, verpflichtet dazu durch die Prozessordnung. In der Mediation der Mediator, bevollmächtigt durch den Eingangsvertrag. Sowohl beim Gericht, als auch in der Mediation, können sich die einzelnen Abschnitte allerdings sehr unterschiedlich ausdehnen (oder sehr kurz sein). Das kommt auf den Einzelfall an.

Wenn jetzt schon allgemein bekannt ist, dass ein Maurer mauert, ein Arzt heilt und ein Richter subsumiert, soll auch die Frage beantwortet werden, was ein Mediator eigentlich macht.

Ein Mediator vermittelt Verstehen.

Wie er das macht? Von außen („oben“ – etwas künstlerische Freiheit muss sein 😉 ) gesehen, geschieht dies, wie in der nachfolgenden Bilderfolge dargestellt. (zum nächsten Bild mit Curser auf das Bild gehen und > oder < bzw. auf die Punkte unten). Das letzte Bild zeigt die Umsetzung der Grafik in die Realität.

 

Computer und Beamer sind für mich zwischenzeitlich unentbehrlich und stellt eine große Erleichterung dar. Verträge gemeinsam zu erarbeiten und zu formulieren, sowie, diese zu begründen (Memorandum), für alle Beteiligten sichtbar, schafft Sicherheit auch hinsichtlich des Verstehens für jeden. Außerdem gibt es noch viele andere Verwendungsmöglichkeiten (Internet, Zeichnungen …).

Die Anzahl der Grafiken (4) spiegelt durchaus auch die durchschnittliche Anzahl der Sitzungen in der Praxis wider. Hinzu kommt ggf. noch ein Termin beim Notar und ein Termin, so es um Scheidung geht, beim Gericht (mit einem Anwalt).

Bevor ich eingehender auf die manchmal schwierigste Phase 2 des Mediationsablaufs eingehe, hier noch eine Bilderfolge zum 3. Bild (Verhandlung) der vorstehenden Bildfolge.

Do ut des, ich gebe, damit Du gibst, war nicht nur im römischen Reich ein grundlegender Verhandlungsgrundsatz, sondern ist seit Urzeiten die Grundlage menschlichen wirtschaftens überhaupt. Ich gebe, (damit Du mir nichts tust), war für die Begegnung fremder Sippen ein gutes Mittel, sich bei unsicheren Machtverhältnissen nicht unnötiger Gefahren auszusetzen und Friedensabsichten anzuzeigen. Entgegenkommen zu bezeugen, ist gerade in der Mundart erhalten geblieben und hat sich bewährt. „Weil Du’s bist“ – „Und wenn Du’s net wärst“. Es kommt zum Konsens und damit zu einem  guten Ergebnis (s. „Martbericht“) und daraus folgend zu einem  nachhaltigen Einverständnis.

Ganz anders wäre dasselbe Ergebnis im Rahmen einer „kriegerischen“, heute also prozessualen, Auseinandersetzung in Form eines Vergleichs zustande gekommen. Die Prozessordnungen dienen dazu, Waffengleichheit zwischen den Parteien herzustellen. „Angriffs- und Verteidigungsmittel“ sind z.B. rechtzeitig vorzubringen. Schon immer wird der Vergleich als ein gegenseitiges Nachgeben verstanden. Wer (widerwillig) nachgegeben hat, wird mit dem Ergebnis nicht wirklich zufrieden sein (s. oben die geschilderte Gerichtsszene).

Ein ganz wesentlicher Unterschied zwischen dem Ergebnis eines Mediationsverfahrens und dem eines Vergleichs im Prozess (vom Urteil also gar nicht zu reden, dessen Inhalt ja fremdbestimmt ist).

Die Art und Weise, wie ein Ergebnis zustande kommt, ist also für die Nachhaltigkeit entscheidend. Damit komme ich zum nächsten Thema.

Konflikt(er)klärung und Befriedung

Ein Streit und ein Konflikt unterscheidet sich hauptsächlich dadurch, dass ein Konflikt sich auf der sogenannten „emotionalen Ebene“ abspielt, wogegen bei einem Streit emotionale und rationale  Elemente („rationale Ebene“) vermischt sind.

Beispiel: Ein Paar fährt zusammen mit dem Auto zu einer Veranstaltung, zu der sie zu spät anzukommen drohen. Beide sind etwas  verärgert, weil jeder dem anderen die Schuld dafür zu schob, dass die Karten erst in letzter Minute gefunden wurden und sie es jetzt deshalb eilig haben. Der Mann fährt und vor ihm schaltet eine Ampel auf rot. Die vor ihm fahrenden Autos kommen gerade noch bei gelb drüber. Er hat diese Chance nicht mehr, hält an und donnert los: „Typisch, immer, wenn ich an eine Ampel komme, wird die rot.“ Seine Frau repliziert entsprechend ärgerlich: „Ja, ja, immer wenn Du kommst, schaltet die Ampel ausgerechnet wegen Dir auf rot!“

Die Frau hat seine rationale Aussage („immer wenn ich komme …“), die aber eine Aussage auf der emotionalen Ebene war („ich ärgere mich…“) mit einem rationalen Argument gekontert. Sie haben aneinander vorbei geredet.

Die ungeklärte „Schuldfrage“ bezüglich des Verbleibs der Karten zuvor, hatte die Szene erst möglich gemacht.


Nunmehr soll es nur um die ersten
3 Phasen des Verfahrens gehen.

Phase 1

Das Vorgespräch

Viele Betroffene kostet es einige Überwindung, überhaupt zum Mediator zu gehen.. Vor allem dann, wenn die Paare Hemmungen haben (besonders schon zum Einführungsgespräch, also zur kostenlosen Vorklärung), zu gehen, weil sie glauben, sie müssten miteinander reden. Dies ist jedoch nicht der Fall. In dieser Sitzung redet hauptsächtlich der Mediator (nachdem er sich einen groben Überblick verschafft hat) und stellt das Verfahren vor. Außerdem zeigt er, was der Eingangsvertrag beinhaltet. Es sind nur wenige Punkte.

Wichtig ist zu wissen: Jeder kann die  Mediation zu jeder Zeit auch beenden, ohne dies rechtfertigen zu müssen.

So haben sich die Beteiligten (Medianden und Mediator) etwas kennen gelernt und der Mediator entwirft den Mediationsvertrag, der schon einige feste Punkte enthält, der aber, nach der Vorinformation und auf Wunsch der Betroffenen, erweitert werden kann.

Die Paare müssen etwas Vertrauen zum Mediator haben, bevor sie sich (nicht unbedingt gleich, sie bekommen einen Entwurf ausgehändigt) entscheiden. Damit endet normaler Weise das Vorgespräch. Wenn beide Seiten die Mediation beginnen wollen, wird ein erster Sitzungstermin vereinbart.

Hauptsächliche Vertragspunkte:

  1.   Auskunftspflicht über Einkommen und Vermögen.
  2.   Ordentlicher Umgang miteinander (Fairness, Anstand).
  3.   Keine gerichtlichen Verfahren einleiten oder fortführen.
  4.   Verschwiegenheit/Zeugnisverweigerungsrecht des Mediators
  5.   Keine einseitige Rechtsberatung durch den Mediator (Neutralität).
  6.   Hinweis auf die Möglichkeit parteiischer rechtlicher Beratung.
  7.   Weitere individuelle Vereinbarungen.
  8.   Kosten.

Zu Punkt 3 füge ich nachfolgende Grafik ein, die für sich selbst spricht (hoffe ich) und aus der ersichtlich ist, dass die gleichzeitige Durchführung einer Mediation (Verfahren aus dem Gewohnheitsrecht) und eines Prozessverfahrens (normiertes Recht) sinnlos ist. Zusammen mit der Eskalationsgrafik (oben 3) wird klar ersichtlich, dass sich beide Verfahren gegenseitig ausschließen. Leider werden in der nichtmediativen, außergerichtlichen Praxis ständig Befriedungsanstrengungen unternommen, obwohl die Betroffenen sich gleichzeitig vor Gericht auseinander setzen. Die nachfolgende Phase 2 (also die erste kostenpflichtige Sitzung) ist dann schwer behindert. Eine Abweichung von dieser Prämisse ist nur unter besonderen Umständen und nach Absprache tunlich.

Grafik 10

entwicklungrechtDas Verfahren ist für das Ergebnis wichtiger, als das Ergebnis selbst. Ein noch so gutes Ergebnis kann schlecht oder überhaupt nicht als gerecht empfunden werden, wenn die Regeln des Verfahrens als nicht eingehalten angesehen werden. Ein Paradebeispiel ist das heute noch (!) diskutierte berühmte Wembley-Tor, das nur deshalb  – zu gegebenen Anlässen – ein Thema ist, weil hier vom Schiedsrichter die Regel (SEINE alleinige Entscheidung wird zur Tatsache, nämlich ob der Schuss als Tor zählt, oder nicht) gebrochen wurde. Hätte er diese Entscheidung ad hoc getroffen, also eine Tatsache geschaffen, würde heute niemand mehr darüber diskutieren, ob der Ball „drin“ war, oder nicht.

Das gerichtliche Prozessrecht (Zivilprozessordnung -ZPO- und in Familiensachen das entsprechende Verfahrensrecht -FamG-) dient zur materiellen Rechtsfindung (Bürgerliches Recht -BGB-) durch Subsumtion. Im  Mediationsverfahren kommt normiertes Recht allenfalls nur am Rande vor, denn das Ziel ist ja nicht, was Recht ist, sondern, wie man zur besten Lösung(s. oben Grafik 3), die dann als gerecht empfunden wird,   kommt. Ein wesentlicher, wenn nicht DER Unterschied zwischen Mediation und Prozess.

Durch die Mediation kann sich das Wesen der Gerechtigkeit verwirklichen.

Phase 2

Als ich etwas weiter oben die Art und Weise einer Verhandlung dargestellt habe (Ablauf in Grafiken und Ferkelhändler), mag sich manche/r Betroffene, die/der sich in der Trennungsphase befinden, nicht vorstellen können, dass das in seinem/ihrem Fall überhaupt möglich ist. Dazu kann ich aus der Praxis von weit über 100 Fällen behaupten, dass es doch so ist. Die statistische Wahrscheinlichkeit dafür liegt bei mir zwischen 95 und 98%, wobei die Differenz sich dadurch ergibt, dass, sind die Prinzipien der Mediation von den Paaren eingehalten und gleichzeitig die Entwicklung des Konflikts verstanden worden, ich für die weiteren verbleibenden Restvereinbarungen, nicht mehr nötig bin.

Wie wird dies in der Praxis verwirklicht?

Hier geht es zunächst um die Aufklärung des Sachverhalts. Die diesbezüglichen umständlichen und konfliktträchtigen Wege im Zuge des Gerichtsverfahrens habe ich oben (Grafik 5) angesprochen.

Auch die Mediation ist ein strukturiertes Verfahren (Grafik 9). Hinzu kommt, dass zusätzlich innerhalb der einzelnen Abschnitte bestimmte Vorgehensweisen vorgesehen sind. Von Anfang an ist hier große Sorgfalt gefragt, denn ab jetzt wird der Grundstein dafür gelegt, dass zum Schluss wirklich für jeden Betroffenen die bestmöglichste Lösung gefunden wird.

Wichtig ist zunächst eine Rahmenbedingung, nämlich die

     Zeit!

Meine Sitzungen haben einen Anfangszeitpunkt (am günstigsten ist der Nachmittag oder gegen Abend) und kein Zeitlimit. Vielleicht mag sich nun jemand fragen, wann denn Schluss ist, wenn jemand weg läuft oder vor Erschöpfung zusammenbricht? Na gut, ich kann auch die „stabile Seitenlage“ 😉 , aber in Wirklichkeit ist das bis jetzt noch 😉 nicht vorgekommen! Die Sitzung wird dann beendet, wenn alle das Gefühl haben, einen Schritt weiter gekommen zu sein und für die nächste Sitzung ein Anschluss geplant ist (oftmals müssen viele Dinge vorbereitet werden). So kann eine Sitzung zwei, drei, vier oder fünf Stunden dauern (man kann Pausen machen und für „Nahrung“ ist gesorgt).

Aus diesem Grund fallen bei mir keine Stundensätze an, sondern Sitzungssätze, egal wie lang die einzelnen Sitzungen dauern. Im statistischen Durchschnitt sind dies dreieinhalb Stunden.

So kann eine vollständige Mediation mit durchschnittlich vier bis sechs Sitzungen geschafft werden. Der gesamte Zeitraum dieser Sitzungen ist individuell sehr verschieden.

Wichtig ist auch

der Ort und das Setting.

Die Bedeutung und Wirkung der Atmosphäre der Umgebung, in der Mediationen erfolgreich stattfinden sollen,  wird gemeinhin sehr unterschätzt. Auf das Klagelied einer Güterichterin (Amtsgerichtsdirektorin und Familienrichterin), sie bekomme für ihre ernsthaften Mediationsversuche in keinem Raum des Gebäudes eine „private Atmosphäre“ hin, weshalb die Sitzungen keine Dynamik entwickeln würden, sagte ich ihr, sie solle es im Nebenzimmer der nächsten Kneipe versuchen. 😉 . Dabei meinte ich das durchaus ernst. Wie kann man von den Betroffenen verlangen, in einem Gerichtsgebäude (gleiches gilt für Rechtsanwaltskanzleien) nicht an Recht zu denken oder diesbezüglich keine Hintergedanken zu haben. Das wäre genauso, als wenn ich jemandem ständig sage, er solle jetzt nicht an den rosaroten Elefanten denken, also auf keinen Fall an den rosaroten Elefanten denken. Jetzt kann ich nur hoffen, dass meine verehrte Leserschaft bei meinen weiteren Ausführungen keinesfalls an rosarote Elefanten denkt 😉 .

Gleiches gilt für therapeutische oder psychologische Stellen. Die Medianden lehnen in der Situation, wegen der sie bei mir sind, jegliche psychologische Behandlung, in welcher Form auch immer, ab. Deshalb muss die Mediation an Orten und in Umgebungen stattfinden, wo es keine „rosaroten Elefanten“ gibt. 😉

Nun kann die erste Sitzung mit der

Sachverhaltsaufklärung

beginnen. Auf die mühsame Weise im Gerichtsverfahren bin ich schon eingegangen (Grafik 5).

In der Mediation geht dies viel einfacher, weil beide Beteiligte gleichzeitig anwesend sind.

Eine seit Urzeiten bekannte und sehr effektive Vorgehensweise. Sie wird heute noch bei Naturvölker praktiziert und war im Mittelalter genauso Alltagspraxis im Rechtswesen, wie  noch bis in’s 19. Jahrhundert hinein. Sie wurde nur nicht unbedingt „Mediation“ genannt. Dies lag daran, dass es Jahrhunderte dauerte, bis zwischen Verfahrensrecht und materiellem Recht unterschieden wurde. Darüber werde ich an anderer Stelle noch berichten.

Die Betroffenen erzählen IHRE Geschichte aus eigener Sicht. Dadurch kommt nicht nur die derzeitige Situation zu Tage, sondern auch, wie sie sich entwickelt hat, was auch für die Konfliktklärung von großer Bedeutung ist. Die gegebene Gesamtsituation in materieller Hinsicht kann leicht und an Ort und Stelle geklärt werden.

Die Entwicklung auf der emotionalen Ebene (es steht den Paaren frei, inwieweit sie sich darauf einlassen wollen) führt dazu, dass die Paare in die Lage versetzt werden, den derzeitigen Konflikt als Ergebnis der vorangegangenen Entwicklung, besser verstehen zu können. Der Mediator gibt nicht nur die Regieanweisungen zum Ablauf, sondern stellt ggf. Fragen, die das Verstehen für die andere Seite erleichtern oder überhaupt erst ermöglichen.

Diese Vorgehensweise hat den selbst für mich immer wieder verblüffenden Effekt, dass sich die Gesprächsatmosphäre (manchmal schlagartig) ändert. „Wooos, ihr redet wieder miteinander?“, berichtete mir lachend ein Paar in der nachfolgenden Sitzung über die erstaunten Bemerkungen der Arbeitskollegen in dem Betrieb, in dem beide arbeiteten und sich zuvor über eine sehr(!) lange Zeit angeschwiegen hatten.

„Seit wann blääke die nimmer miteinander rum?“, wurde in einem anderen Fall aus dem sozialen Umfeld berichtet.

Ich kann hier nicht auf Einzelheiten eingehen. Dazu sind die Fälle zu individuell und nur darauf hinweisen:

„Mediation is simple, but not easy“

„Mediation ist einfach, aber nicht leicht“

Das bedeutet, dass die Phase 2 nicht nur im emotionalen Bereich, sondern insgesamt  ganz besonders kompliziert und difficil sein kann.

ablaufkonfliktklaerungDie transformative Mediation (Fachwort für meine Art der Mediation) basiert darauf, dass bei den Paaren eine Entwicklung in Gang gesetzt wird, die es ihnen ermöglicht, nach und nach, selbst Lösungen zu entwickeln.

Da sich die Gesamtsituation der Paare bei Trennung im Hinblick auf die Zukunft entscheidend ändert, ist es tunlich, auch die persönlichen Anliegen einzubeziehen.

 Erst wenn  diese 3 Phasen (auch die erste Phase gehört zur Mediation) erfolgreich abgeschlossen sind, macht es Sinn, unter den Prämissen

 

Vernunft

 

Besonnenheit

 

Klugheit

nach Lösungen zu suchen. Dabei bitte ich zu bedenken, dass ich hier einen schematischen Ablauf darstelle. In Wirklichkeit ist alles meist wesentlich komplizierter.

Eine Entsprechung zum Gerichtsverfahren zu suchen, erübrigt  sich jetzt wohl, außer, dass man festhält, dass ein Vergleich eher einem Waffenstillstand (s.o.) gleicht und keinesfalls eine Lösung ist. Hier ein geflügeltes Wort in Richterkreisen: „Ein Richter ist dann zufrieden, wenn die Parteien gleichmäßig unzufrieden sind“. Medianden sind mit dem Ergebnis einverstanden! Das bewirkt die größte Chance auf Nachhaltigkeit.

 

Gesamtübersicht

 

ablauf2ganzIch denke, der Entwicklungsablauf erklärt sich aus nebenstehender Grafik von allein.

Negative (feindliche) Gefühle werden durch die Konfliktklärung zumindest in Zuversicht umgewandelt, die es ermöglicht, nach sinnvollen Lösungen zu suchen.

Die Bandbreite der Möglichkeiten können jetzt überhaupt erst erkannt werden.

Anmerken möchte ich allerdings, dass die wirtschaftliche Seite einer Trennung meist relativ schnell erledigt werden kann, die emotionale Verkraftung aber wesentlich länger dauert.

 

Hier noch eine Grafik zum Nachdenken

paarelternebene

Kosten

Mediationskosten

Ich erhebe eine Sitzungspauschale, wobei die Dauer der Termine keine Rolle spielt. So bedarf es nur weniger Sitzungen, um eine Sache zügig abzurunden; gleichwohl kann die Mediation aber auch angemessen lang dauern kann, ohne dass zusätzliche Kosten entstehen. Dies ist eben von Fall zu Fall verschieden.

Im statistischen Durchschnitt dauert jede Sitzung etwa 3 Stunden. Eine vollständige Mediation, also bis zur kompletten Scheidungsvereinbarung, die alle nötigen und gewünschten Vereinbarungen enthält (bis zum notariellen Vertragsentwurf u.s.w.), benötigt 3 bis 6 Sitzungen (meistens 4 oder 5).

Bei einem Sitzungssatz von (derzeit) 460,- €, was bei 6 Sitzungen etwa 18 Sitzungsstunden ergibt, entsteht ein Stundensatz von 153,- € für das Paar und 76,- €/Std. pro Person. (Der Sitzungssatz oder die Sitzungsdauer kann natürlich angepasst werden, je nachdem, wie sich die Ausgangslage darstellt.)

Somit entstehen bei mir bei einer umfangreicheren Mediation und allumfassenden Regelungen derzeit Kosten i.H.v. insgesamt 2.760,- € – praktisch schon maximaler Bereich.

Nicht berechnet sind eventuelle Gutachterkosten oder externe rechtliche Beratungen (soweit letztere keine Vertretung enthalten, liegen diese etwa um 190,- € beim Rechtsanwalt)

Prozesskosten

Rechtsanwaltskosten müssen nach dem Gegenstandswert und der Gebührenordnung berechnet werden. Somit kann ich hier nur einige wenige Beispiele anbringen. Ohne Gewähr.

1. Angenommen, jemand macht 1.000,- € Unterhalt geltend. Der Gegenstandswert beträgt dann 12.000,- €. Bei einer leicht erhöhten Mittelgebühr (was in solch einem Fall durchaus angebracht ist), und einem Vergleich bei Gericht (was in etwa 80 % aller Fälle geschieht) ergibt dies Kosten pro Partei von 3.585,-, der Familie fehlen also 7.170,- €

2. Da Unterhalt und Umgang in Streitigkeiten vor Gericht für die Parteien ein sogenanntes Junktim darstellen (zwei verschiedene Angelegenheiten wollen sie gleichzeitig regeln), seien hier die diesbezüglichen Kosten dargestellt. Üblicher Gegenstandswert (3000,- €), erhöhte Mittelgebühr und Vergleich: 1.244,- € pro Partei; der Familie fehlen also 2.488,- € .

3. Die Teilung des Hausrats kann unter Umständen sehr streitig und kostspielig sein, da einerseits als Gegenstandswert der Wert des Volumens des Hausrates angesetzt wird, in vielen Fällen aber weitere Eskalationen entstehen, weil in diesem Zuge oftmals das Vermögen mit vermischt wird. Ich gehe hier (ansonsten macht das der Richter) von einem Hausratsvolumen von 30.000,-€ aus, der im allgemeinen leicht erreicht wird. Das ergibt dann Gesamtkosten i.H.v. 10,252,- €.

4. Abschließend noch ein Beispiel aus dem Zugewinnausgleich. Dabei kann es leicht vorkommen, dass es z.B. darauf ankommen kann, wie hoch der Wert eines Hauses anzusetzen ist. Eine Seite behauptet 220.000,- die andere Seite 280.000,-. Die Differenz ist dann der Gegenstandswert, nämlich 60.000,- . Daraus ergeben sich (unter den Bedingungen wie vorstehend) Kosten i.H.v. 14.940,- € gerundet 15,000,-. Dabei muss man mit Gutachterkosten von 3000,- € zusätzlich rechnen, so dass sich Gesamtkosten von 18,000,- € ergeben. Hier ist allerdings anzumerken, dass die Regelung des ganzen Zugewinnausgleichs, je nach Fall, sehr, sehr viel teurer werden kann. Ohnehin können die tatsächlichen Kosten in allen Fällen höher sein.

Nur bei diesen 4 Teilbereiche können also insgesamt 37,910,- gerundet 38,000,- € an Kosten entstehen.

Günstiger kann es werden, wenn die ersten drei Teile im sogenannten Scheidungsverbund geregelt werden (Nr. 4 gehört nicht zwingend dazu). Dann werden die Gegenstandswerte von Nr. 1., 2. und 3. addiert und daraus ein Gebührensatz errechnet, was hier eine Ersparnis von 11.000,- € ausmachen würde.

Allerdings habe ich schon 2009 in meinen Anregungen zum Rechtsausschuss des Deutschen Bundestages (s. Homepage, Artikel „Anregungen …“) ausgerechnet, dass in 91 % der Fälle die Folgesachen erst nach der Scheidung erledigt werden, somit nicht in den Scheidungsverbund fallen.

Zum Abschluss noch eine eigene, rustikale

Grundsatzweisheit in Bildern 😉

Herrn Dipl.-Psychologe und Supervisor Lothar Rosenberg,  früherer Leiter der psychologischen Beratungsstelle der evangelischen Kirche Weikersheim danke ich ganz herzlich für seine Unterstützung und dass er sich als  Lektor zur Verfügung gestellt hat.

Alle Rechte vorbehalten: Bernd Bohnet

Über Rückmeldungen, gleich welcher Art und auf welchem Weg, bin ich immer dankbar. Falls Sie kommentieren möchten, so kann dies bei „Namen“ auch unter einem Pseudonym geschehen. Nur die E-Mail Adresse (die nicht veröffentlicht wird), muss für mich kontaktfähig – ev. Nachfrage oder Hinweis – sein.

12 Gedanken zu „1) Mediation und Prozess im Vergleich und als Verfahren für Problemlösungen
Die Mediation als Alternative zum Prozess, insbesondere in Familiensachen

  1. 1. Kommentar: N.N. sagt:

    Sehr geehrter Herr Bohnet,

    vielen Dank noch einmal auf diesem Weg für Ihre geleistete Arbeit bei der Trennung zwischen mir und meiner Frau. Ich denke ohne Ihre Anleitung und ohne Ihre Begleitung in der Trennung hätten wir heute nicht mehr die Möglichkeit mit einander zu reden und uns auf die Möglichkeiten des Lösbaren zu verständigen. Wie Sie einmal sagten ist es nur möglich über die Rationalen Dinge eine Übereinkunft zu bilden. Aber die Trennung war für mich eine sehr Emotionale Angelegenheit bei der erst einmal ein wildes Gefühlschaos entstanden ist, aus dem ich ohne Hilfe und Beschränkung auf das wesentliche nicht heraus gefunden hätte. Deshalb hier noch einmal meinen Dank an Sie.

  2. 2. Kommentar: N.N. sagt:

    Ich kann mich nur bedanken, denn ohne diese Mediation wären wir definitiv nicht da wo wir heute sind. Für mich war besonders wichtig, den “Berg: Trennung/Scheidung” in kleinere Etappen zu unterteilen und in jeder Etappe die Sachlage mit entsprechendem Hintergrundwissen zu begleiten. Das hat mir sehr geholfen.

  3. 3. Kommentar: nn sagt:

    Sehr geehrter Herr Bohnet,
    ich wurde von Ihnen während der Trennung bis hin zur Scheidung im Zuge der Mediation begleitet.
    Ich möchte kurz meine Sichtweise der Mediation hier schildern.

    Zu Beginn der Trennung habe ich zuerst im Internet recherchiert, was es denn prinzipiell für Möglichkeiten gibt. Dabei bin ich auf mehrere Punkte aufmerksam geworden:
    1. Beratung von diversen sozialen Einrichtungen (ISUV, Caritas, Sozialamt etc.)
    2. Scheidungsanwälte
    3. Mediation

    Zuerst habe ich dann eine Beratung bei einer sozialen Einrichtung in Anspruch genommen. Dies hat mir zwar ein paar Fragen beantwortet, allerdings bin ich damit nicht sehr weit gekommen in Bezug auf die Situation zwischen meiner damaligen Frau und mir.
    Allerdings wurde mir dort die Möglichkeit Mediation empfohlen, wodurch ich auf Ihren Namen gestossen bin.

    Sie haben nicht gleich nach Lösungen gesucht, die zum damaligen Zeitpunkt wohl sowieso nicht möglich gewesen wären, sondern Sie haben zuerst die IST-Situation und unsere Emotionen damit sondiert. Das hat dazu geführt, das wir uns endlich wieder in vernünftiger Art und weise miteinander auseinander setzen konnten.
    Naürlich war die Aufarbeitung teilweise auch sehr schmerzhaft und hat einige Sitzungen in Anspruch genommen, aber es fand immer in einem sehr entspannten Rahmen statt. Sie als Mediator hatten auch ein sehr gutes Feingefühl dafür wie belastbar wir in den Sitzungen waren und haben das sehr gut gesteuert.

    Letzten Endes ist natürlich die Bereitschaft der betroffenen Personen, sich auf diesen Prozess einzulassen, maßgebend. Aber Sie haben es bei uns geschafft, diesen Prozess am Laufen zu halten und uns zu einem positiven Ergebnis zu führen.

    Was ich in diesem Prozess vermisst habe, ist die rechtliche Beratung. Ich hatte Sie deshalb nach Unterstützung gefragt, Sie dürfen diese Leistung aber gar nicht erbringen. Das finde ich für diesen Prozess extrem hinderlich. Ich musste nämlich für rechtliche Fragen extra eine Anwältin nehmen, die mich aber nicht wirklich gut beraten hat.
    Meine Anwältin hat für die reine Rechtsberatung, das Stellen des Scheidungsantrages und die Scheidung selbst, wesentlich mehr Geld verrechnet (Ich würde sagen abgezockt) als die gesamte Mediation gekostet hat.
    Dabei hat die Anwältin an sich gar keine großartigen Anforderungen erfüllen müssen. Meiner Meinung nach könnte das jeder Rechtspfleger bzw. Rechtsanwaltsgehilfe.

    Der Umweg über den Anwalt hat mich viel Energie und Geld gekostet, was aus meiner Sicht völlig unnötig gewesen wäre, wenn wir innerhalb der Mediation die rechtliche Seite der Zugewinnausgleichs-, Unterhalts- und Versorgungsausgleichsberechnungen hätten besprechen können.
    Ebenso frage ich mich, warum man für die Scheidung einen Anwalt braucht und nicht einfach der Mediator das Ganze begleitet.
    Ich bekomme das Gefühl nicht los, dass dieses Rechtsberatungsverbot für den Mediator nur für die Anwaltslobby installiert wurde.

    Alles in allem kann ich nur jedem Paar, das sich mit Trennung beschäftigt, nur wärmstens eine Mediation empfehlen, da hier die sogenannten ‚Softkeys‘ wesentlich besser Berücksichtigung finden.

  4. Das Rechtsberatungsverbot hat folgenden Grund.

    Im Jahre 1935 erließ das Nazi-Regime ein „Rechtsberatungsgesetz“, das den Zweck hatte, unliebsame Personen vom Rechtsanwaltsberuf auszuschließen. Dieses galt bis 2008 und wurde dann vom derzeit geltenden „Rechtsdienstleistungsgesetz“ abgelöst. In einer Sonderausgabe der „Neuen Juristischen Wochenschrift“ (NJW) pries die damalige Bundesjustizministerin den „Übergang“ mit der Überschrift: „Vom Rechtsmissbrauchsgesetz zum Rechtsdienstleistungsgesetz“. Die unabhängige Fachwelt ist sich allerdings einig, dass sich nur der Personenkreis geändert hat und es sich einzig um ein Gesetz handelt, das der Rechtsanwaltschaft Pfründe sichern soll. Die offizielle Begründung des Gesetzgebers, es handle sich um ein Verbraucherschutzgesetz ist eine billige Ausrede. Allerdings werde ich auf dieses Thema noch näher eingehen. Die hier geäußerten pauschalen Aussagen werden der Sache nicht ganz gerecht.

    Jedenfalls: In keinem einzigen Land Europas gibt es ein entsprechendes Gesetz.

    Übrigens: Auch ein Rechtsanwalt, der eine Mediation durchführt, darf keine Rechtsberatung erteilen und auch nicht nach der Gebührenordnung abrechnen. Parteiische Anwaltstätigkeit und Mediation schließen sich gegenseitig aus. Er darf auch keinen der beiden Medianden im Scheidungsverfahren vertreten. Eine Vermischung kann schwere berufsrechtliche und strafrechtliche Folgen haben (Interessenkollision, Parteiverrat – § 356 StGB-).

    In der Mediation geht es nicht um die Rechtslage, die man letztendlich nur nach Prozessen durch alle Instanzen erfahren kann, sondern um die Lösung von Problemen in rechtlich wirksamer Form. Insofern bedarf es eigentlich keiner Rechtsberatung. § 6 Abs. 6 Mediationsgesetz: Der Mediator „hat die Parteien, die ohne fachliche Beratung an der Mediation teilnehmen, auf die Möglichkeit hinzuweisen, die Vereinbarung bei Bedarf durch externe Berater überprüfen zu lassen.“ Von Rechtsanwälte ist da nicht die Rede.

    Der Mediator darf keine Anspruchsgrundlage für eine Seite überprüfen und deren Erfolgsaussichten beurteilen. Das wäre eine parteiische Handlung und der Mediator nicht mehr neutral. In der Praxis ist das aber belanglos, denn auch ein Rechtsanwalt kann heutzutage keine sichere Prozessprognose mehr stellen. Ganz besonders nicht in Familiensachen.

  5. 5. Kommentar: UK sagt:

    Mein Exmann und ich sind sehr zufrieden, daß wir die Mediation gemacht haben. Wie es bei vielen Paaren ist und war, war es auch bei uns, daß wir nicht mehr richtig miteinander reden konnten. Unser Mediator hatte sehr viel Einfühlungsvermögen, hat aber auch klare Regeln aufgestellt, an die wir uns zu halten hatten. Er vermittelte so gut, daß wir aufgrund von Disziplin und der nötigen Sachlichkeit uns einigen und eine saubere Trennung und Scheidung vollziehen konnten.
    Dazu nochmal vielen herzlichen Dank. Ihnen eine gute Zeit und weiterhin viel Erfolg.

  6. 6. Kommentar: n.n. sagt:

    Ich möchte mich hiermit noch einmal ganz herzlich bei unserem Mediator Herr Bohnet bedanken! Ich hätte niemals gedacht, dass mein Exmann und ich jemals wieder normal miteinander reden können. Zu Beginn unserer Sitzung konnten wir nicht mehr normal miteinander sprechen, sondern haben uns entweder angeschwiegen oder uns angeschrien! Herr Bohnet hat es innerhalb kürzester Zeit geschafft, das unsere Scheidung reibungslos verlief und wir wie gesagt, wieder miteinander sprechen können. Ohne Herrn Bohnet hätten wir das nicht hinbekommen und das zu diesem Service – vielen Dank! Ich kann nur jedem raten, der eine Trennung vor sich hat, mit dem Mediator sich in Verbindung zu setzen.

  7. 7. Kommentar: Anja Schüßler sagt:

    Die Trennung von meinem Ex-Mann und der Verlust meiner Familie war das schlimmste und schmerzhafteste Ereignis in meinem Leben.

    Sehr geehrter Herr Bohnet,

    ich möchte mich bei Ihnen bedanken, dass Sie uns auf diesem schweren Weg begleitet haben.
    Die Mediation wurde mir vom Caritas-Verband Tauberbischofsheim empfohlen, als ich diesen im November 2013 nach der Trennung aufsuchte.
    Die erste Sitzung fand im März 2014 statt.
    Am Anfang der Mediation erklärten Sie uns ausführlich und mit viel Zeit den Ablauf. Ich fühlte mich in Ihrer geschaffenen Atmosphäre sofort wohl.
    Bereits im Mai 2014 kamen wir zu einer Vereinbarung über den Trennungsunterhalt.
    Das war für mich der Knackpunkt – ich bekam Sicherheit über meine finanzielle Lage.
    Leider gab es zwischen meinem Ex-Mann und mir dann einige unschöne Ereignisse. Sie hatten auch in diesem emotionalen Bereich ein offenes Ohr für die Probleme und standen uns auch hier zur Seite. Sie setzten sich mit meinem Psychologen, den ich auf Grund psychischer Probleme nach der Trennung benötigte, nach beiderseitiger Entbindung von der Schweigepflicht, in Verbindung und tauschten sich mit ihm aus. Daraufhin regten Sie eine 8-wöchige Kontaktsperre mit meinem Ex-Mann an, damit sich beide Seiten wieder beruhigen konnten.
    Im September führten wir die Mediation fort.
    Bereits im Oktober hatten wir dann Vorschläge für den nachehelichen Unterhalt und den Zugewinn.
    Der Vertrag wurde dann von Ihnen nach unseren Vorgaben verfasst.
    Sie begleiteten uns zum Notar zur Unterzeichnung.
    Im August 2015 wurden wir dann nach 24 Ehejahren geschieden.

    Fazit:

    Es ist ein Weg, der sehr viel Energie kostet und am Anfang noch nicht zu erkennen ist, wie es ausgehen wird.
    Ich habe so manches Mal darüber nachgedacht, die Sache den Rechtsanwälten zu überlassen. Ich bin jetzt aber froh, dass ich mich für den Weg der Mediation entschieden habe. Zum einen, weil wir gemeinsam nach einem gütlichen Lösungsweg suchten, zum Anderen, weil wir uns Beide damit erhebliche Anwaltskosten gespart haben.

    Der Mediator handelt neutral und ergreift keine Partei.

    Herr Bohnet hatte uns am Anfang der Mediation gesagt, dass wir überrascht sein werden, zu welchem Ergebnis wir am Ende kommen werden.
    Er hatte Recht.

    Der Weg über die Mediation hat sich auf alle Fälle gelohnt.

    DANKE

  8. 8. Kommentar: CG sagt:

    Mediation – ein guter Weg

    Die Trennung liegt nun schon einige Jahre zurück.
    Vor Beginn der Mediation bei Herrn Bohnet waren mein ExMann und ich in einer Sackgasse: Zerrüttung, Schweigen, Hilflosigkeit.
    Wir waren auch in einer Eheberatung, doch nachdem sich herausstellte , dass diese Ehe nicht mehr zu retten war, war mein damaliger Mann nicht bereit, diesen Prozeß fortzuführen.
    Das Ziel: eine „saubere“ Trennung nicht zuletzt auch in wirtschaftlicher Hinsicht.
    Vor dem Hintergrund, dass wir ein gemeinsames Kind haben und ein Leben lang Eltern bleiben werden, wollten wir auch nach der Trennung noch aufrecht miteineander umgehen können.
    Die Mediation mit Herrn Bohnet hat dazu geführt, dass Struktur in unsere Trennungswünsche gebracht wurde. Im Ergebnis haben wir einen Ehevertag daraus entwickelt, der zu unserer beider Zufriedenheit die wirtschaftlichen Verhältnisse regelt. Dieser Vertrag wurde notariell beglaubigt und war die Grundlage der drei Jahre später stattgefundenen Scheidung.
    Die Mediation war eine Möglichkeit mit Hilfe eines Moderators den Knoten aus Hilflosigkeit , Schweigen zu lösen. In vielen Sitzungen brachte Herr Bohnet mit uns gemeinsam Struktur in die Vorstellungen, die wir bezüglich der Trennung hatten.
    Im Zuge der Scheidung musste ich auch einen Anwalt kontaktieren und habe da erst gemerkt, wie schnell eine rechtsanwaltliche Begleitung in einer aggressiven Auseinandersetzung hätte münden können.
    Die Mediation war eine Möglichkeit, dies zu vermeiden. Die Vorrausetzungen waren geschaffen und die rechtsantwaltliche Begleitung nur noch Formsache.
    In Deutschland geht eine Scheidung ohne Anwalt leider nicht.
    Ich empfehle es noch heute Menschen, die in einer ähnlichen Situation sind und die schlimme Zeit der Trennung nicht durch unnötigen Kampf verkomplizieren wollen. Es ist ein guter Weg und uns hat er sehr geholfen.
    Vielen Dank

  9. Liebe Leserinnen und Leser

    Zwei Rückmeldungen zum Artikel wurden mir mündlich mitgeteilt. Ich möchte sie nicht zurück halten, nur weil sie Kritik enthalten.

    a) Der Artikel ist zu lang.

    b) Es wird zu viel „verraten“.

    Zu a):

    Schon der Portner (Himmelspförtner Petrus) sagte im weithin bekannten Theaterstück „Die Geschichte vom Brandner Kaspar“: „Die Preußen sprechen ihren ganzen Denkvorgang mit. Der Bayer gibt’s Ergebnis nur bekannt.“

    Als in der sandigen Märkischen Heide geborener Preuße und bayerischer Volljurist konnte ich nicht anders, als zu versuchen, beides zu vereinen und die Bekanntgabe der Ergebnisse (Kommentare) sogar nicht unbedingt echten Bayern zu überlassen, die dafür aber aussagekräftiger sind, als die übliche Floskel, der Mediator hülfe den Medianden zu einer selbstbestimmten Lösung.

    Die Ernsthaftigkeit der Situationen, nämlich Entscheidungen von so großer Tragweite, wie sie im Zuge von Trennungen und Scheidungen getroffen werden, gebieten es, dass ihnen auch adäquat Aufmerksamkeit gewidmet wird.

    Dabei sind die Informationen, die der Artikel enthält nur solche, die durchaus allgemein, aber besonders dem angehenden Mediator vor(!) der eigentlichen Ausbildung bekannt sein sollten. Und damit komme ich

    zu b).

    Ich warne davor zu versuchen, den dargestellten Ablauf der Mediation einfach nachzumachen! Die Realität ist um Dimensionen schwieriger.

  10. 10. Kommentar: R. sagt:

    Ich kann über die Tätigkeiten von Herrn Bohnet nur positiv berichten. Es ging hier um einen jahrelangen Umgangsstreit zwischen dem Kindsvater und der Kindsmutter. Herr Bohnet wurde hier als Umgangspfleger bestellt. Der Umgangspflegschaft ging ein ca. fünfjähriger Umgangs- und Sorgerechtsstreit voraus, worunter auch das Kind sehr litt. In seiner Tätigkeit brachte Herr Bohnet es fertig, dass trotz verhärteter Fronten zwischen den Eltern ein halbwegs planmäßiger Umgang stattfinden konnte. Herr Bohnet engagierte sich außerordentlich und hatte bei seinen Entscheidungen und Anordnungen stets das Kindswohl vor Augen. Sehr förderlich war dabei auch das Zusammenspiel zwischen juristischem und psychologischem Fachwissen. Ich bedaure sehr, dass die Umgangspflegschaft endete und möchte Herrn Bohnet für sein Engagement sehr danken.

  11. 11. Kommentar N.N. sagt:

    Guten Tag Herr Bohnet,

    zunächst einmal vielen Dank für Ihre Mediation.

    Auch wenn die Mediation in meinem Scheidungsfall durch Folgen von ungünstigen Umständen, die sich vorher angebahnt hatten, nicht abgeschlossen werden konnte, konnte ich in den Gesprächen meine persönliche Sichtweise auf die familiäre Situation ordnen. Ich bin der Meinung, dass die Mediation der richtige Weg ist, eine gerechte und sachliche Lösung für eine Trennung nach einer langjährigen Ehe herbeizuführen.

    Der Mediation ging eine ergebnislos verlaufende einjährige Eheberatung voraus. Die Beratung fand leider nur an Gesprächsabenden im Vier-Wochen-Rhythmus statt. Es entstand ein Gefühl des Zeitdruckes während der einzelnen Gespräche. Aus meiner Sicht führte diese Möglichkeit dadurch in eine Sackgasse.

    Es hat sich dann herausgestellt, dass die Mediation eine gute Möglichkeit ist, eine Scheidung ohne kostenintensive Anwaltsvertretung durchzuführen. Jedoch müssen beide Parteien für diese Form der Trennung offen und an einer einvernehmlichen und gerechten Lösung interessiert sein. Der Mediator verhält sich absolut neutral und versucht zwischen den Parteien zu vermitteln.

    Herr Bohnet hat nicht nur die soziale Kompetenz, sondern auch die juristischen Kenntnisse, um ausreichend fundierte allgemeine Hinweise zu geben. Bereits nach zwei Sitzungen innerhalb eines Monats (November 2014) waren ein klares Konzept entwickelt und erste Schritte zur Verwirklichung eingeleitet.

    Leider konnte die Mediation aus den oben genannten Gründen Umstände) ab Dezember 2014 nicht mehr fortgeführt werden und die Scheidung wurde mit Hilfe von Anwälten durchgeführt. Dies zog sich dann bis vor kurzem hin und kostete ein Vielfaches, als bei der Mediation zu erwarten war.

    Aus meiner Sicht sollte ein Gespräch bei einem Mediator vor jeder Scheidung zur Pflicht werden, um eine gütliche Einigung vor der Scheidung zu erarbeiten.

  12. Hallo und danke für den tollen Artikel.
    Familienmediation ist eine tolle Sache.
    Ich werde mich hier informieren: https://www.mediation-fair.at/de-at/mediation/familie/
    VG Frank

    Bohnet: Vielen Dank, Frank. Ausnahmsweise lasse ich den Link zu. Er zeigt, dass in Österreich ganz andere Verhältnisse herrschen und Deutschland sich da noch viele Scheiben abschneiden könnte.

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