11) a) Zu den ZDF Berichten vom 11.01.16
Eine Verniedlichung der Mediation

Ohne zu sehr in die Tiefe zu gehen, hier einige Anmerkungen, die sich darauf beziehen, dass der Bericht die Mediation in einem falschen Licht erscheinen ließ.

Die Familienmediation ist kein Friede-Freude-Eierkuchen-Verfahren. Hier waren sich das Paar über das Ergebnis der Vereinbarungen praktisch schon einig und es galt nur noch die einzelnen Modalitäten auszuhandeln. Diese lagen offensichtlich in dem Bereich der Ausgewogenheit der Betreuung der Kinder, was zur Folge hat, dass keine Unterhaltsansprüche anfallen sollten (in der Fachsprache nennt man das „Junktim“, was bedeutet, dass zwei rechtlich verschiedene Bereiche zusammen geregelt werden sollen).

Abgesehen von einigen anderen Abweichungen von der Realität (Outfit des Paares – Procedere …) wurde von der Rechtsanwältin behauptet, dass sich viele Paare oder Parteien „streiten wollen“ (und meinte wohl damit, dass anwaltschaftliche Vertretung notwendig sei).

Dies halte ich für eine grundfalsche Aussage!

Wenn ein Streit (der sich auf der sachlich rationalen Ebene abspielt) und ein Konflikt (also die irrational emotionale Ebene) zusammen in einer Auseinandersetzungslage für die Problemlösung eine erhebliche Rolle spielt (und das ist in Familiensachen sehr oft der Fall) und die Beteiligten sich dementsprechend verhalten, so sind sie nicht streitsüchtig, sondern ratlos bis verzweifelt. Gerade dann ist die Mediation das richtige Lösungsverfahren und dies auch in sehr hohen Eskalationsbereichen. Genau diese Situationen können systemimmanent auf dem rechtlichen Weg nicht befriedigend bewältigt werden.

Deshalb war der Bericht eher dazu geeignet, viele Paare in anderen, weitaus schwierigeren Situationen von dem Versuch einer Mediation abzuhalten. Ganz im Sinne der Anwaltschaft.

Für alle, die als die unwillige Seite hingestellt wurden, was ich für falsch halte, denn auch die Zurückhaltung und Skepsis der Mediation gegenüber hat seine Gründe, hauptsächlich, weil die allermeisten Anwälte keine mediativen Kompetenzen und kein pekuniäres Interesse an der Mediation haben und diese nur als Werbemittel zur Erlangung eines Vertretungsmandats benutzen.

Ob eine Mediation, zumindest versuchsweise, als sinnvoll angesehen werden kann, können nur die Betroffenen entscheiden.

Hier kann nur das kostenlose Informationsgespräch bei einem unabhängigen Mediator vermeiden, dass ein falscher Weg eingeschlagen wird. Die fachgerechte Mediation wird in ihren Möglichkeiten nach wie vor weit unterschätzt! Das kam in diesem Bericht in keiner Weise zum Ausdruck und ich empfehle die Artikel 9) I) – 9) III) sowie 10) auf diesem Blog (s. Seitenleiste rechts, dort können sie direkt angesteuert werden).

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