15) Mediation geht vor Beratung
Gesellschaftliche Veränderungen bedürfen adäquater Antworten auf die Probleme, die dadurch entstehen.

Im ersten Artikel dieses Blogs wurden u.a. die wesentlichen Unterschiede zum Prozess dargestellt. Ich füge die drei diesbezüglich grundsätzlich wichtigsten hier noch einmal nacheinander ein und hoffe, dass sich so ein kompakteres und übersichtlicheres Bild ergibt. Dann folgen einzelne Gebiete.

Grafik 15) a)

grundstrukturprozessmediation

Grafik 15 b)ablauf2ganzGrafik 15 c)

vergleich3

 

Mediation bei Schwierigkeiten in Umgangssachen

Hier zunächst eine Grafik, die die Grundproblematik darstellen soll und die eigentlich nicht nur der Fachwelt bekannt sein dürfte. Trotzdem zunächst einmal. Sie trifft auf die ganz überwiegende Zahl der Fälle zu.  Es gibt allerdings auch Situationen, wo dieses einfache Schema, das nicht nur Vorsätze, sondern auch Fähigkeiten oder Charaktereigenschaften zur Voraussetzung hat, keine Gültigkeit haben kann. Diese sind gesondert zu behandeln, besonders, wenn äußere Umstände zur Wirkung kommen.

Grafik 15 d)

paarelternebene

Ich habe noch nie eine Mutter oder einen Vater  sagen hören, dass ihr oder ihm das Wohl der Kinder im Zuge einer Trennung egal seien. Nein! Auseinandersetzungen „solle/dürfe ‚ net auf die Kinner gehe“. Wie kommt es dann aber, dass Gerichte, Jugendämter, Beratungsstellen, Psychologen, Gutachter, Ärzte, Psychosomatische Kliniken und Psychiatrien u.a. ständig damit beschäftigt und bemüht sind, die Nichteinhaltung der edlen Vorsätze der Eltern in den Griff zu bekommen?

Die Hauptursache liegt darin, dass nicht versucht wurde oder es nicht gelungen ist, das Verhältnis der Eltern auf der Paarebene soweit zu befrieden, dass diese wenigstens auf der Elternebene angemessen kommunizieren können. Auch im Hinblick auf den Versuch des Berliner Justizsenators, den ich oben (Beitrag 16) beschrieben habe, sei nun eine Grafik eingefügt, die zeigen soll, dass man nicht in naiver Weise davon ausgehen kann, eine Mediation sei umso einfacher, je weniger Gegenstände sie betreffe. Gerade für Sorgerecht, Umgang und Unterhalt trifft dies nicht zu! Im konkreten Einzelfall wird man diese Sachen kaum isoliert behandeln können.

Grafik 15 e)

Störungen auf der Elternebene ...

Die (ursächlichen) Möglichkeiten bei Sorgerechts- Umgangs- und Unterhaltssachen sind so vielfältig, wie in sonst kaum einem Bereich auf der Paarebene. Sie haben sowohl historische, als auch Gründe, die in der gesellschaftlichen Entwicklung (besonders seit der Scheidungsreform 1977) liegen. Sie verlangen dem Mediator mehr Empathie, Geduld, Ausdauer und mediatorisches Geschick ab, als zum Beispiel eine Vermögensauseinandersetzung zur Beendigung einer Zugewinngemeinschaft.

Fortsetzung 18.03.2016

Die oben aufgezählten Personen und Institutionen (es gibt noch wesentlich mehr „Bemühte“) versuchen, Umgangsschwierigkeiten in Trennungssituationen und Kämpfe auf diesem Gebiet  hauptsächlich mittels Symptombehandlung  durch Recht (Gerichte) Beratung (psychologisch) oder Heilung (Therapieformen) zu verbessern.

Das Mediationsverfahren beschäftigt sich zunächst mit dem Paarkonflikt und mit den Personen, die von diesem Konflikt betroffen sind und bemüht sich, den Beteiligten zu ermöglichen, die Entwicklung bis zur aktuellen Situation zu verstehen.

Mediation = Verstehen vermitteln!

Keine wissenschaftlichen (meist pseudowissenschaftlichen) „Erkenntnisse“ (bis hin zur Esoterik) oder Aufzählung von Umgangsmodellen, so, als wenn man sich solche wie aus einem Katalog aussuchen müsste und was nicht im Katalog steht gibt es nicht oder ist nicht gut, können da weiter helfen.

Die einzigartige individuelle Situation der Konfliktbetroffenen wird dabei außer Acht gelassen.

Überhaupt ist hinsichtlich Ratschläge größte Vorsicht geboten und sie sind im Allgemeinen auch überflüssig.

Die in Deutschland weitgehend praktizierte Symptombehandlung vieler einzelner Hilfsbeteiligter mit teilweise völlig unterschiedlichen Ansätzen oder nur Derivate auf der Grundlage von Karl Rogers (dort ist der Unterschied besonders im pekuniären Bereich gegeben) unter Ignorierung der fachgerechten Mediation, hat, was eine sinnvolle Reaktion auf die gesellschaftliche Entwicklung in neuerer Zeit betrifft, Deutschland an den hintersten Platz in Europa gebracht.

Das „Gesetz zur Förderung der Mediation …“ (2012) hat bewirkt, dass uns dieser Platz auch noch lange sicher ist.

Die Familie steht unter dem besonderen Schutz des Staates? Für mindestens 1/3 der Familien (Scheidungsfamilien) gilt dies bei uns nicht. Da sollten die verantwortlichen Ministerien einen Blick nach Österreich (Artikel 9 I), der Schweiz (Artikel 9 II) oder Frankreich (Artikel (9 III) werfen. Besonders das Bundesministerium für Familien, aber erst recht die entsprechenden Ministerien der Länder bis hin zu den regional zuständigen Dezernaten.

Ich habe noch nicht erlebt, dass, wenn die Paarebene ausreichend befriedet werden konnte, es irgendwelche gravierende Umgangsschwierigkeiten gab. Dagegen, werden sie unter großem Aufwand und weiterer Eskalationen gerichtlich ausgetragen, muss dies oft sehr teuer bezahlt werden. Mit Schäden bei den Kindern, die man dann mit hohem finanziellen Aufwand therapeutisch, ärztlich, in Heimen und letztendlich im Gefängnis oder Psychiatrien versucht zu „reparieren“. Die Spätfolgen sind unabsehbar.

Die Mediation bietet keine Erfolgsgarantie: Sie aber nicht einzubeziehen oder gar vorsätzlich auszugrenzen bzw. zu ignorieren verstößt nicht nur gegen den Verfassungsauftrag, sondern auch gegen christliche Ethik. Und zu dieser hat sich unser Staat sogar in der Präambel zum Grundgesetz verpflichtet. Sie beginnt mit den Worten: „Im Bewußtsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, …“.

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