17) Das kostenlose Informationsgespräch – wo ist das Problem?
Allenfalls der Mediator hat da ein Problem. Für die Betroffenen ist es ein Service.

Fast alle Mediatoren sind im Interesse der Bekanntmachung der Mediation bereit, das Vorgespräch, das nur dann einen Sinn macht, wenn dabei die Sache soweit besprochen wird, dass ein Entwurf eines Mediationsvertrags gefertigt wird, damit die Betroffenen überhaupt eine Entscheidung treffen können, ob sie sich auf eine Mediation einlassen wollen. (Dies trifft allerdings auch auf den Mediator zu!)

Was ist schon dabei, Familienangelegenheiten und andere Schwierigkeiten in privater, unverbindlicher Weise, kostenlos und diskret, einmal formlos und unter neutraler Führung auf bessere Möglichkeiten hin zu überprüfen, als teure und nervenaufreibende rechtliche Auseinandersetzungen mit ungewissem Ausgang anzufangen. Die Entwicklung eines rechtlichen Streits endet sehr oft in einem ruinösen Desaster. Das muss nicht sein!

Eine solche Einführung entspricht der Phase 1 des Mediationsverfahrens und ist eigentlich kostenpflichtig und wenn der Richter nach § 135 oder 156 FamFG ein kostenloses Beratungsgespräch anordnen (!) und dabei den Mediator benennen kann, so ist das dem Umstand zu verdanken, dass der Richter weiß, welcher Mediator dazu bereit ist. Ansonsten käme nämlich eine gesetzlich vorgesehene Nötigung des Mediators in Frage und diese liegt nur deshalb nicht vor, weil der „angestrbete Zweck (nicht) als verwerflich anzusehen ist.“ (Abs 2) und zudem der Richter vom Einverständnis des Mediators weiß.

Letztendlich verhält es sich hier so, wie bei einem Arzt, der einen Eingriff beim Patienten vornimmt und damit Körperverletzung beghet und nur deshalb nicht bestraft werden kann, weil das Einverständnis des Patienten vorliegt.

Der Service für die Streitparteien.

Die Zurückhaltung und Skepsis, die viele Streitparteien der Mediation entgegen bringen, kann (hat) viele Ursachen haben. Eine der Hauptgründe liegt darin, dass die Menschen seit Ende des 19. Jahrhunders  daran gewöhnt sind, Streitigkeiten gerichtlich auszutragen. Ganz entgegen der davor jahrhundertelangen Übung, wo Rechtsstreitigkeiten im Normalfall in mediativer Weise, wenn auch unter anderen Namen und von anderen Personen, beigelegt wurden.

Dies wird hier noch ein gesondertes Thema sein.

Jedenfalls: Wer den Service des Informationsgesprächs, das aber auch tatsächlich von einem Mediator erfolgen muss – sonst ist es sinnlos – nicht in Anspruch nimmt und gleich lieber Briefe von Rechtsanwälten schreiben lässt, braucht sich danach über die oft schmerzhaften Folgen nicht zu beklagen. Ich hatte schon einige Paare bei mir, wo Beide Betroffenen oder auch nur eine Seite bereits eine Scheidung im prozessualen Streit hinter sich hatten, und derartiges nicht noch einmal erleben möchten.

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