Zu Artikel 16) „Berlin hilft Eltern finanziell bei Trennungsstreit“
Mit weiteren Analysen von Frau M.

Artikel 16) Der Gedanke, Mediation endlich stärker in die Lebenswelt zu integrieren bzw. Mediation zuzulassen, ist ein längst fälliger Schritt in die richtige Richtung, oder nicht?

Beim ersten Lesen fiel mir auf, dass 100.000,- €/ Jahr wohl einen Tropfen auf dem heißen Stein darstellen. Kann man so valide Beobachtungen machen über Erfolg und Misserfolg staatlich geförderter Mediationen? Immerhin steht Mediation hier auf dem Prüfstand!

Der oben erwähnte Verein ist mir nicht geläufig, die Vermutung von Herrn Bohnet, was verfolgt werden soll, kann ich jedoch nicht von der Hand weisen.

Es beunruhigt mich allerdings mehr, dass ein Team aus Rechtsanwälten, Psychologen und Mediatoren gewählt wurde. Welche Rechtfertigung hat solch ein Team?

Muss die Mediation sich erst beweisen und neben dem mittig sitzenden Mediator wirkt rechts der Jurist und links der Psychologe?

Ich kann beim besten Willen nicht erkennen, was damit bezweckt werden soll. Psychologen haben eine vollkommen andere Auffassung von Konflikten als Juristen. Ein Jurist sieht in aller Regel in einem Konflikt die rechtlichen Ansprüche und potentielle Mandaten, die eine Vertretung brauchen. Welche Rolle kommt nun dem Mediator in diesem Dreiergespann zu?

Hier mag das Prinzip „viel hilft viel“ attraktives Werbemittel sein. Kritiker werden an dieser Stelle entgegnen: „Viele Köche verderben den Brei.“

In der Mediation gibt es bereits seit Jahr und Tag die Möglichkeit der Co-Mediation (meist arbeiten zwei Mediatoren im Team), die Vermittler können sich somit austauschen, regulieren, ergänzen. Häufig haben beide Mediatoren nicht denselben Grundberuf, weswegen auch Ansichten unterschiedlicher Professionen im Einklang gebracht werden müssen und dies kann dem Verfahren dienlich sein.

Außerdem: Ein wenig erfahrener Vermittler, könnte beispielsweise von einem sehr erfahrenen Mediator profitieren. Ein Dritter würde evtl. als stiller Beobachter auftreten, denn alleine das Zusehen kann am Anfang der Karriere sehr hilfreich sein und es entsteht keiner Partei ein Schaden.

Das wäre eine mögliche Alternative zu obigen Expertenteam.

Eine letzte Anmerkung möchte ich mir erlauben: Die theoretische Ausbildung der meisten Träger BAFM, DGM, BMe.v. ist in ihrer fachlichkeit nicht zu kritisieren und auch die aktive Betreuung der Studenten ist individuell und nah, im Gegensatz zu den Massenstudiengängen an Präsenz-Universitäten.

Eines kann jedoch keiner der Verbände garantieren: Die Kunst der Mediation im wirklichen Leben praktizieren zu können.

Diese Fertigkeit muss jeder Vermittler eigens erlangen, erreichen, erarbeiten.

An dieser Stelle sehe ich den Gesetzgeber im Fokus, denn es gibt keine verbindlichen Auflagen für die Ausbildung im Hinblick auf die Praxis.

Es wäre schön, wenn praktische Fähigkeiten ernsthaft in das Berufsbild des Mediators einbezogen und hierfür auch eine Grundlage geschaffen würde. Aktuell sieht es nämlich so aus, dass man bei der Erlangung des praktischen Handwerks hauptsächlich auf sich gestellt ist. Damit meine ich nicht, dass man als junger Mediator so naiv ist zu glauben, man würde an die Hand genommen.

Es ist allerdings eine große Herausforderung ein Netzwerk zu schaffen aus Mentoren, von denen man wirklich lernen kann.

Vielen Dank

M.

Sehr geehrte Frau M.

Vielen Dank für Ihren Beitrag, der mir zeigt, dass Sie die Grundprobleme der Mediation bei uns scharfsinnig und realistisch einschätzen. Sie wird allenthalben weit unterschätzt und wenn Sie schreiben, dass „viel hilft viel“ (bzw. eben nicht) und dafür die Frage stellen, ob nicht eher gilt: „Viele Köche verderben den Brei.“, dann sind Sie der harten Realität näher, als Sie vielleicht glauben. Sie haben das natürlich feinsinniger ausgedrückt. Ich werde dazu noch Klartext schreiben.

Ich stimme Ihnen u.a. auch vollkommen zu, wenn Sie schreiben:

„Eines kann jedoch keiner der Verbände garantieren: Die Kunst der Mediation im wirklichen Leben praktizieren zu können. Diese Fertigkeit muss jeder Vermittler eigens erlangen, erreichen, erarbeiten.“

Das ist schlicht und einfach richtig!

Auch wenn ich den von Ihnen beschriebenen Weg nach vielen Jahren noch nicht zu Ende gegangen bin, werde ich gerne, soweit ich kann, hilfreich sein und (die Mediation stammt aus der Steinzeit) vorläufig eine „moderne“  Version der Hoffnung(?) einbringen: (Es geht vorwärts …)

Vielen Dank

Bernd Bohnet

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